| Verknüpfungen mit islamischen Welt: Gegenstand, Geschichte, Entwicklung und Gegenwart
1. Einleitung "Afrika geriet zu Unrecht in den Ruf, in seiner geschichtlichen und kulturellen Entwicklung lediglich an der Peripherie der Welt gelegen zu haben. (1) Vielmehr entstanden kulturelle Wechselbeziehungen zwischen den Völkern Ostafrikas, Südwest- und Südasiens sowie Südost- und Ostasiens, die sich über den Handel - der in der Lage war Kontakte über weite Strecken herzustellen bzw. aufrecht zu erhalten - über die Migration und über die Ausbreitung der großen (monotheistischen) Weltreligionen realisierten. Wesentlich bei der Betrachtung dieser Beziehungen und der geschichtlichen, kulturellen und politischen Entwicklung der Länder am Horn von Afrika sind die
unterschiedlichen religösen Strömungen, angefangen bei den traditionellen Religionen bzw. Stammeskulturen, dem koptischen Christentum (2), dem Islam und in Äthiopien zu einem geringeren Teil die dort anzutreffende Variante des Judentums. Generell waren (und sind) Religionen eine wichtige Determinante bei der Ausformung einer geistigen und materiellen Kultur, die zur Bildung ethnischer bzw. kultur-historischer Gebiete beitragen. Im folgenden soll die Bedeutung des Islams für die Länder am Horn von Afrika in Bezug auf Geschichte, Entwicklung und Gegenwart dargestellt werden. 1.1 Bedeutung des Islams am Horn von Afrika Das Horn von Afrika
übernahm aufgrund seiner exponierten geo-strategischen Lage am südlichen Ende des Roten Meeres - Meerenge Bab al-Mandab (3) - , am Golf von Aden und am nordwestlichen Indischen Ozean, die Funktion einer «kulturellen Drehscheibe» zwischen dem afrikanischen und arabisch-islamischen Raum. Insbesondere zu den Bevölkerungsgruppen an der Küste des Horns bestanden durch den arabischen Seehandel intensive Kontakte. Entlang der Küsten kam es zu engen Verbindungen mit der muslimischen Welt, viele der islamisierten Einwohner am Horn reisten aus Anlaß der Hadsch - die als rituelle Pflicht jedem Muslim vorgeschriebene Pilgerfahrt - nach Mekka, einige besuchten die Koranschulen in Medina und in anderen Städten der arabischen Welt. (4) Gerade durch die Pilgerfahrt nach Mekka hat sich ein gewisses Maß an islamischen Internationalismus
über die Jahrhunderte und über weite Entfernungen hinweg erhalten. (5) Generell läßt sich die Popularität des Islams in Afrika aus seiner großen Elastizität, also der Verbindung phänomenologischer Mittel des Islam und der Möglichkeit zur Toleranz gegenüber traditionellen Kulten (6), erklären. Der Islam paßte sich in der Regel den örtlichen kulturellen und sozialen Verhältnissen an (7) wobei er seine hochentwickelte, materielle Kultur einbrachte. (8) 1.2 Indikatoren für die Islamisierung
(Bevölkerungsstruktur, Sprache) Das heute sichtbarste Zeichen der islamischen Penetration ist der große Anteil von Muslimen an der Gesamtbevölkerung. Delval nennt für Äthiopien (incl. Eritrea) einen Anteil von Muslimen an der Gesamtbevölkerung in Höhe von 35,19%, für Djibouti 94,80% und für Somalia gar 99%. (9) Gerade in Somalia hat der Islam seine deutlichsten Spuren hinterlassen, wo er eine die Somalistämme einigende Wirkung in der Reaktion gegen den weißen Kolonialismus entfaltet. (10) Stark ist die islamische Komponente auch in Äthiopien und insbesondere in Eritrea. Beim Zwergenstaat Djibouti (...) mag dem Islam eine gewisse Rolle in dem Versuch zukommen, nachträglich ein
Nationalbewußtsein zu schaffen. (11) Ein weiteres Kennzeichen für den starken Einfluß des Islam ist die Verbreitung der arabischen Sprache. Insbesondere in den küstennahen Sultananten Somalias konnte sich Arabisch rasch als Handels- und Amtssprache etablieren und mit Beginn des 19. Jhds.n.Chr. war die arabische Sprache - sowohl in den Städten als auch in ländlichen Gebieten - Mittel und Zeichen einer gemeinsamen Kultur. (12) Allerdings haben auf dem afrikanischen Kontinent trotz dem frühen Zusammenfallen religöser und politischer Grenzen in den vorkolonialen muslimischen Reichen heute nur Somalia und Mauretanien eine islamische Verfassung. (13) 2.
Historiographische Betrachtung des Islams in der Region m Gegensatz zu den großen Bewegungen in Nordafrika unter den Umayyaden (661-740 n.Chr.), die sich dort sehr schnell sehr weit ausbreiteten, kam diese Bewegung am Horn von Afrika - trotz seiner Nähe zu Mekka und Medina - sehr viel später, langsamer und fast unbemerkt bzw. zumindest ohne größere Auswirkungen auf das Kerngebiet des Islams in Gang. (14) Unter den Abassiden (750-1258 n.Chr.) konzentrierten sich die Aktivitäten des Islams zunächst nur auf die Küstenregionen am Horn von Afrika. (15) Doch bereits 715 n.Chr. waren die der äthiopischen bzw. eritreischen Küste vorgelagerten Dahlak-Inseln, die gegenüber von Mekka und Jeddah liegen, islamisch. (16)I 2.1
Expansionsbewegung des Islams Die Islamisierung wurde im wesentlichen durch muslimische Händler vorbereitet, die sich an den Küsten Ostafrikas niederließen und einen regen Karawanenhandel betrieben. Dabei trans-portierten sie nicht nur Güter, sondern verbreiteten auch ihre Ideen und Wertevorstellungen aus den Ländern des Islams. (17) Es gab nahezu in der ganzen subsaharischen Region ein uraltes weitreichendes Karawanennetz, das bisher dem Warenaustausch afrikanischer Völker untereinander diente und über das sich der Islam nun ausbreitete. (18) Im wesentlichen war es gerade die Verbindung von Handel und Islam, die zur Bekehrung vieler Völker in diesem Teil des Kontinents
führte, und das, obwohl in weiten Gebieten (...) Sklaven die begehrteste Handelsware der muslimischen Kaufleute waren (19). Doch mit der Bekehrung zum Islam stellte sich die einheimische Bevölkerung unter dessen Schutz und konnte als gläubige Muslime somit nicht mehr versklavt werden. Es gelangten vermehrt arabisch-islamische Bevölkerungsgruppen aus Südarabien - überwiegend Händler (20) aus dem Jemen bzw. Hadramaut (21) - an das Horn von Afrika mit der Folge der Verschmelzung dieser Einwanderer mit der lokalen Bevölkerung und dem Entstehen einer für den Islam typischen städtischen Kultur. Die neu entstandenen Stadtstaaten (u.a. Zeila, Berbera, Mogadishu, Merca, Brava) übernahmen die Funktion kommerzieller und politischer Zentren. In der Folge drangen von hier aus ab dem 8. Jhd.n.Chr. islamische Kräfte in das Landesinnere vor und im 9. Jhd.n.Chr. konnte sich bereits das erste islamische Staatswesen im Osten Shoas etablieren. 2.1.1 Äthiopien, Eritrea und Djibouti(22) Zunächst entstanden verschiedene Stadtstaaten als rein islamische Handelszentren mit eigener Währung als Sammel- bzw. Umschlagplatz der verschiedensten Waren aus dem fruchtbaren Oromoland, von wo diese dann durch Karawanen weiter an die Küste transportiert wurden. (23) In der Folge erwuchsen dem christlichen äthiopischen Reich im Hochland von den Küsten und Tieflandzonen (..) her mächtige
islamische Rivalen. (24) Mit Ende des 13. Jhds.n.Chr. kommt es zu jahrhundertelangen kriegerischen Konflikten zwischen dem feudalen christlichen Reich Äthiopien und islamischen Mächten, die mit Abessinien um die Kontrolle wichtiger Handelswege und Landstriche rangen. Den Höhepunkte erreichte diese von bewaffneten Konflikten geprägte Phase mit dem «Dreißigjährigen Krieg» (1529-1559). Das Reich Adal - unter seinem Führer Ahmad Gran, dem «Fluch Äthiopiens» - zerstörte und plünderte zu weiten Teilen das christliche Hochland. Die Rettung Abessiniens erfolgte schließlich dank militärischer Unterstützung durch ein portugiesisches Expeditionskorps. Mit der
vernichtenden Niederlage Ahmad Grans und dem Zerfall seiner Armee war die islamische Bedrohung abgewendet. Der zweite bedeutende Einschnitt in der konfliktreichen Geschichte des Islams in Äthiopien mit weitreichenden Folgen, die auch gegenwärtig immer noch sichtbar sind, war die Religionspolitik Meneliks II. (König von Shoa seit 1865; Kaiser von Abessinien 1889-1913) und seiner Nachfolger. Die abessinischen Eroberungen zur Zeit der Entstehung der Kolonialreiche haben eine christlich amharische Verwaltung bzw. Gerichtsbarkeit sowie einen Siedlungskolonialismus mit sich gebracht. Das Land wurde an amharische Siedler übereignet, die einheimische Bevölkerung mußte als gabbar, eine Art von Leibeigenschaft, das Land für die neuen Lehnsherren bearbeiten. Aufstiegschancen hatte nur, wer das bisher
gänzlich unbekannte Amharisch - jetzt neue Verwaltungssprache - lernte und bereit war einen amharischen Namen sowie die amharische Religion, d.h. das orthodoxe Christentum, anzunehmen. Die amharische Vorherrschaft etablierte sich in allen Lebensbereichen und konnte sich bis heute weiter verfestigen. (25) Das christliche Kaiserreich empfand den Islam als Feind und Menelik II. führte seine Eroberungen im Namen des Kreuzes (26), bewirkte aber damit ungewollt eine Revitalisierung des Islam. (27) Der Islam fristet allerdings in Äthiopien auch heute noch ein «Schattendasein» ohne eigenständige Vertretung. (28) 2.1.2 Somalia Bereits im Mittelalter kam es zu größeren Immigrationsbewegungen arabisch-islamischer Gruppen. (29) Die Heftigkeit der islamisch-arabischen Immigration ließ auch in der Zeit des 10. Jhds.n.Chr. nicht nach. (30) Obwohl sich früh Araber an Somalias Küsten niederließen begann der Prozeß der Arabisierung, der Hand in Hand mit der Islamisierung ging, erst mit dem Jahr 1500 als der Islam «Staatsreligion» in Somalia wurde und es gelang die engen Handelsverbindungen zum arabischen Raum weiter zu intensivieren. Somalia war nun Teil des sogenannten Dar al-Islam und integraler Bestandteil im Geflecht der arabischen (wirtschaftlichen) Handelsbeziehungen. (31) Durch den Eingriff Europas in die Geschicke der Region im Rahmen der Kolonisierung und der folgenden Aufteilung Somalias in den letzten zwanzig Jahren des 19. Jhds.n.Chr. (32) kam es zu einer Art Balkanisierung und zur politischen Identifikation mit der arabischen Welt. (33) Nationalistische Ideale und Ideen tendieren in Somalia hin zur islamischen Gemeinschaft. Auf der Höhe dieser nationalistischen Bewegung (ca. 1950) wurde aus der Antipathie gegenüber den Christen Sympatie mit den Arabern. (34) Die Affinität Somalias mit der arabischen Welt läßt sich leicht erklären, schließlich waren es die arabischen Staaten die seine Unabhängigkeit unterstützten. (35) Trotz gemeinsamer Sprache, Kultur und Religion ist die somalische (...) Gesellschaft hochgradig fragmentiert (36) und zerfällt in eine Vielzahl von Clans, Subclans und Linages. Dies führte in der aktuellen Situation - in einem Staat ohne staatliche Strukturen - zu einem Mikronationalismus, wobei allerdings dem Islam gerade jetzt die Rolle eines (letzten?) verbindenden Faktors zukommt. (37) 2.2 Säkulare Konflikte neuerer Zeit und die islamisch-arabische Komponente Säkulare Konflikte am Horn von Afrika wie der Ogaden-Konflikt zwischen Somalia und Äthiopien oder der Kampf Eritreas um Unabhängigkeit haben, neben der Spaltung der Region in pro-amerikanische bzw. pro-sowjetische Lager,
erheblichen Einfluß auf die Kontakte zur arabischen Welt, insbesondere durch die Involvierung Israels am Horn. (38) Der enge Kurs Haile Selassie's mit Israel - das sein Engagement mit Verweis auf die äthiopischen Juden begründete, eigentlich aber vielmehr einen unabhängigen arabischen Staat Eritrea vermeiden wollte (39) - hatte das Abrücken der arabischen Länder von Äthiopien und eine Unterstützung der eritreischen Befreiungsbewegung zu Folge. (40) Das unterkühlte Verhältnis zu Äthiopien machte gleichzeitig eine Intensivierung der Kontakte, insbesondere der konservativen arabischen Regierungen, zu Somalia möglich. Trotz gemeinsamer Ablehnung der Politik Israels bildeten die Araber keinen einheitlichen Block, sondern fanden
sich - konfrontiert mit den regionalen und internationalen Problemen am Horn -auf beiden Seiten der Großmächte USA und UdSSR im Kampf um eine Vormachtstellung am Horn wieder. Libyen und der Süd-Jemen, die beide enge Verbindungen zur UdSSR unterhielten, setzen sich von den übrigen pro-westlichen arabischen Ländern ab. (41) Insbesondere Saudi-Arabien versuchte seit geraumer Zeit die Somali mit großzügigen Hilfsangeboten von den Sowjets «abzuwerben» und dem westlichen Lager zuzuführen was letztlich auch gelang. (42) Der Konflikt mit Israel, als zunächst bestimmendes Motiv des Engagements am Horn von Afrika, das weiterhin ein Brennpunkt arabischer Interessen ist, wurde abgelöst durch die inner- arabischen Differenzen als Bestimmungsfaktoren arabischer Politik am Horn (...). (43) 3. Ökonomische Beziehungen zur arabisch-islamischen Welt am Beispiel Somalias Mit Beginn der siebziger Jahre sind die afro-arabischen Beziehungen, sei es im Bezug auf politische Fragen (Afrika und der arabisch-israelische Konflikt) oder auf religio-kulturelle Beziehungen (der Islam), erdöl-bestimmt. (44) Als Resultat wachsender Einkommen aus der Ölindustrie auf der Arabischen Halbinsel hat sich ein Netzwerk wirtschaftlicher Beziehungen in der arabisch-indisch-nordostafrikanischen Region gebildet, das im folgenden am Beispiel Somalias und seinem wichtigsten Handelspartner Saudi-Arabien genauer erläutert wird. (45) 3.1 Außenhandel Generell ist die somalische Wirtschaft in erheblichen Umfang exportabhängig. (46) Den Hauptanteil nimmt hierbei Lebendvieh - vorwiegend Schafe und Ziegen, daneben auch Kamele - , Bananen sowie Felle und Häute ein. Lebendvieh hatte 1976 einen Anteil am Gesamtvolumen der Exporte von 47,1%, 1982 von 93,9% und 1987 von 66,64%. Davon gingen von 1972 bis 1986 wiederum zwischen 81 und 91% nach Saudi-Arabien. (47) Der Export von Kamelen brach 1980 ein und das temporäre saudische Viehembargo vom Mai 1983 gegen Importe aus Ostafrika trug das seinige dazu bei um den Markt zusammenbrechen zu lassen. Der generelle Trend zeigt, daß Somalia seine starke Position zugunsten Australiens und des Sudans aufgeben mußte.
(48) 3.2 Migration von Arbeitskräften Ein weiterer Aspekt der ökonomischen Beziehungen zwischen Somalia und den ölfördernden Ländern der arabischen Halbinsel ist die Migration von somalischen Gastarbeitern, insbesondere nach Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), deren Gesamtzahl auf 300.000 geschätzt wird, (49) die aber seit dem Ölpreisverfall Mitte der achziger Jahre rückläufig ist. (50) Diese Migration muß im Kontext mit einer Serie verheerender Ereignisse - ausbleibende Niederschläge, die 1974-75 zu einer Hungersnot führten und die Lebensgrundlage vieler Nomaden zerstörte, dem Ogaden-Krieg mit Äthiopien
und dem Bruch mit der UdSSR - gesehen werden. (51) Mit der Migration wird der somalische Arbeitsmarkt entlastet und die Überweisungen der im Ausland beschäftigten Somalis an ihre Familien tragen in nicht unerheblichem Umfang zum Bruttosozialprodukt Somalias bei. (52) Problematische Folge ist, daß zahlreiche Nomaden Gelder die ihnen von Angehörigen aus der Golfregion überwiesen werden dazu verwenden seßhaft zu werden und somit zur - höchst konfliktreichen - Verstädterung beitragen. Gleiches gilt für Rückkehrer aus den Golfstaaten. (53) 3.3 Entwicklungshilfe und die Bedeutung überregionaler (Wirtschafts-) Zusammenschlüsse der arabischen bzw.
nahöstlichen Staaten für Somalia Aufgrund ihrer exponierten finanziellen Ausstattung sind die ölfördernden arabischen Länder - allen voran Saudi-Arabien, Kuwait und die VAE - in der Lage Entwicklungshilfe zu gewähren. (54) Von Anfang an war diese Hilfe jedoch politisch motiviert. (55) Olusola Ojo stellt offen dar, daß die arabischen Länder über die jeweiligen Organisationen ihre finanzielle Hilfe immer als politisches Mittel einsetzen. (56) Innerhalb des oben charakterisierten Netzwerkes nimmt die von Saudi-Arabien mitbegründetet Arabische Liga (Rabitat al-'alam al-islami) eine führende Rolle ein. (57) Weitere
multilaterale Hilfe wird über den Arab Fund for Economic and Social Development, der Arab Bank for the Development of Africa bzw. der Islamic Development Bank gewährt, deren Hilfe allerdings weitgehend einseitig, auf die Ländergruppe der islamischen Länder in Afrika, konzentriert ist. (58) Bedeutung hat die Mitgliedschaft in diesen Organisationen (59) u.a. deshalb, da in der Regel Hilfszahlungen von arabischen Ländern nicht bilateral zwischen zwei Staaten, sondern über multilaterale arabische Organisationen nach speziellen Prioritätsregeln abgewickelt werden. (60) In der Literatur wird die arabische Entwicklungshilfe an afrikanische Länder als ineffizient beschrieben, da sie keine nennenswerten eigenen Entwicklungsprojekte hervorgebracht hat. (61) Seit Ende 1989 sind die Zahlungen an Somalia aufgrund der mangelnden Bereitschaft der Geberländer einen maroden Staat zu unterstützen drastisch zurückgegangen (62) und können sicherlich nicht durch die umfangreichen Hilfszusagen der arabischen Welt nach der anti-irakischen Haltung im zweiten Golfkrieg kompensiert werden. (63) 4. Schlußbetrachtung Am Horn von Afrika war eben nicht die Herrschaftsgewalt, sondern die Kulturfähigkeit der neuen Lehre [gem. ist der Islam; d. Verf.], nicht ihre ursprüngliche Bezogenheit auf eine bestimmte geographische und geistige Zone, sondern ihr immanenter Universalismus, die sich als maßgebende Entwicklungsfaktoren erweisen sollten (...) (64)
prägend. Es bleibt festzustellen, daß der Islam sich anfangs - im Gegensatz zu den großen Bewegungen unter den Umayyaden in Nordafrika - nur auf die geo-strategisch wertvolle Küste konzentrierte, wo sich eine islamisch-städtische Kultur etablierte und, unter Benutzung der vorhandenen Karawanenwege, in das Landesinnere vordrang. Als fester politischer Faktor am Horn von Afrika konnte sich der Islam erstmals 1270 n.Chr. etablieren. In Äthiopien wurde unter Menelik II. und seiner Nachfolge eine (Religions-) Politik verfolgt, die den Islam dort weitgehend in den Untergrund abdrängte. (65) Im Nachbarstaat Somalia war der Islam von Anfang an Staatsreligion, und seine Geschichte eine weitgehend islamische
Geschichte. Es (...) ergab sich eine ideale Verschmelzung von Islam und Stammesbewußtsein und später, nach Erlangung der Unabhängigkeit (...), von Islam und Nationalbewußtsein. (66) Enge Verbindungen zur arabischen Welt bestehen auch im ökonomischen Bereich, doch sind diese wie das betrachtete Beispiel Somalia zeigt hochgradig problematisch. Somalia hat sich in eine ökonomische Abhängigkeit von Saudi-Arabien manövriert die sich für die weitere Entwicklung als verheerenden erweisen kann. (67) 5.0 Anhang 5.1 Anmerkungen (1) Loth, Heinrich 1990: Afrika - ein Zentrum
der alten Welt. Die historische Bedeutung eines Kontinents. Berlin. S. 40. (2) Das koptische Christentum gelangte bereits in vor-islamischer Zeit - um 350 n.Chr. - von Ägypten her nach Äthiopien und wurde eine zentrale kulturelle und politische Institution, die die Kontinuität der historischen Tradition von Axum zu dem christlichen mittelalterlichen Reich Abessinien wahrte. Schröder, Günter 1990: Abriß der Geschichte Nordostafrikas. In: Brüne, Stefan/Matthies, Volker (Hrsg.): Krisenregion Horn von Afrika. Hamburg. S. 10. (3) Umschrift aller arabischen Namen erfolgt nach der Systematik der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (DMG) - soweit im Internet möglich. (4) Die Umayyaden-Moschee in Damaskus hatte beispielsweise einen separaten Teil nur für Studenten aus Zeila. Vergleiche Dombrowski, Franz A. 1983: The Growth and Consolidation of Muslim Power in the Horn of Africa: Some Observations. In: Archív Orientální 51, S. 59. (5) Vergleiche Hasselblatt, Gunnar 3. Aufl. 1999: Horn von Afrika. In: Ende, Werner/Steinbach, Udo (Hrsg.): Der Islam in der Gegenwart. München. S. 430 sowie Tibi, Bassam 1986: Afro-arabische Beziehungen seit der Dekolonisation. Unter besonderer Berücksichtigung der Erdöl-Dimension. In: Afrika-Spectrum 3, S. 317. (6) U.a lokale Besessenheitskulte, wie der bori-Kult der Haussa oder der zar-Geisterkult in Äthiopien, dem Sudan und Somalia. (7) Lewis, Ion M. 1980: Die Grenzen des Islam in Afrika und Asien - Afrika südlich der Sahara. In: Ess, Jakob van/Halm, Heinz (Hrsg.): Das Vermächtnis des Islam. Zürich, München. Bd. I, S. 144. - Selbstverständlich müssen sich solche Übernahmen aus lokalen Kulten in den vom Koran gesetzten Rahmen einfügen. So wäre ein zu erwartender irk, also die Beigesellung anderer Götter im Sinne des Polytheismus, undenkbar. (8) Zu nennen sind insbesondere neue Techniken in der Landwirtschaft wie der Pflug, womit eine effektivere Bewirtschaftung bei höherem Ertrag ermöglicht wurde. (9) Delval, Raymond 1984: A Map of the Muslims in the World. Explanatory Summary. Leiden. S. 14. -
Trotz des Bevölkerungsanstiegs seit Delvals Untersuchung sind die Werte für den Anteil von Muslimen an der Gesamtbevölkerung im wesentlichen weiterhin gültig; signifikante Änderungen oder gar eine Trendwende hat es nicht gegeben! Für das seit 1993 unabhängige Eritrea gehen Schätzungen von einem Anteil von 50% Muslimen, 35% Christen und 15% Animisten aus. Vergleiche Steinbach, Udo 1983: Das Horn von Afrika und die arabisch-islamische Staatenwelt. In: Friedrich-Ebert- Stiftung (Hrsg.): Analysen aus der Abteilung Entwicklungsländerforschung - Horn of Africa. From scamble for Africa to East-West Conflict. Bonn. S. 172. (10) Hasselblatt 3. Aufl. 1999, a.a.O., S. 428. (11) Hasselblatt 3. Aufl. 1999, a.a.O., S. 428. (12) Vergleiche hierzu Hersi, Ali A. 1977: The Arab Factor in Somali History: The Origins and the Development of Arab Enterprise and Cultural Influences in the Somali Peninsula. Diss. Los Angeles. S. 267ff. Auch in Äthiopien macht die Verbreitung vier großer Sprachfamilien - semitisch, kuschitisch, omotisch und nilo-saharisch - (...) deutlich, daß sich hier Wanderungsbewegungen aus dem arabischen Raum und dem östlichen Afrika getroffen haben. Eikenberg, Kathrin 31993: Äthiopien. In: Nohlen, Dieter/Nuscheler, Franz: Handbuch der Dritten Welt. Bd. 5 - Ostafrika und Südafrika. Bonn. S. 35. (13) Lewis 1980, a.a.O., S. 134. - Lewis bezieht sich in seinem Aufsatz nur auf den afrikanischen Kontinent. Selbst-
verständlich verfügt z.B. die «Islamische Repubik Iran» über eine islamische Verfassung. (14) Vergleiche hierzu: Grunebaum, G.E. von 1966: Der Islam in seiner klassischen Epoche 622-1258. Zürich, Stuttgart. S. 160f. (15) Vergleiche hierzu: Dombrowski 1983, a.a.O., S. 57ff. (16) Hasselblatt 3. Aufl. 1999, a.a.O., S. 429f. - Es gibt Berichte, wonach der Islam bereits acht Jahre vor dem Auszug Muhammeds von Mekka nach Medina Ostafrika erreichte und somit wurde Somalia sogar vor der Wahlstadt des Proheten (...) islamisch. Aves, Maho A. 1987: Der Islam in Somalia - Geschichtliche Entwicklung und kulturelle Bedeutung. In: Aves, Maho A./Bechtold, K.-H. (Hrsg.): Somalia im Wandel.
Entwicklungsprobleme und Perspektiven am Horn von Afrika. Tübingen. S. 62. Vergleiche auch Grunebaum 1966, a.a.O., S. 34f. (17) Wichtig ist es, festzustellen, daß es im Islam k eine institutionalisierte Missionsbewegung wie im Christentum gibt, sondern jeder Muslim ist vielmehr aufgefordert das seinige zu tun um zur Verbreitung des Islam beizutragen. Es kommt somit zum Zusammenfall von Handel und islamischer Mission. Durch die damit verbundene eigene Glaubwürdigkeit der Akteure wurde der Islam in Ostafrika bald populär und konnte sich rasch ausbreiten. Vergleiche hierzu: Aves 1987, a.a.O., S. 71. (18) Als Handelsprodukte sind neben Sklaven zu nennen: Elfenbein, Rinozeroshörner und in geringem Umfang Kokosnuß-Öl. An der Küste des Horns wurden Waffen und Werkzeuge,
Reis, Sesam-Öl und Kleidung, überwiegend aus Nordwest-Indien, angelandet.
Aus arabischen und chinesischen Quellen ergibt sich für Chittick, daß vor Beginn des 14. Jhd.n.Chr. ganz überwiegend Elfenbein exportiert wurde, das dann von Sklaven abgelöst wurde, die sicherlich den Hauptanteil der Exporte einnahmen. Vergleiche Chiitick, Neville 1977: East Africa. Trade with the Orient. In: Richards, D.S. (Hrsg.): Islam and the Trade of Asia. Oxford. S. 97ff.
Loth führt hierzu aus, daß bereits in vorislamischer Zeit Porzellan und andere chinesische Waren (Seide, Brokat und Lackwaren) gehandelt wurden und gegen Elfenbein, Rhinozeroshorn, Perlen, Weihrauch und anderes getauscht wurden. Loth 1990, a.a.O., S. 34. (19) Lewis 1980, a.a.O., S. 137. (20) Matthies nennt neben Händlern auch Priester, Krieger und Nomaden. Matthies, Volker 1992: Äthiopien, Eritrea, Somalia, Djibouti. Das Horn von Afrika. München. S. 24. Vergleiche hierzu auch Schröder 1990, a.a.O., S. 12. (21) Der Einfluß war so stark, daß in Djibouti selbst heute noch der Handel von Jemeniten beherrscht wird. Vergleiche
Labahn, Thomas 31993: Djibouti. In: Nohlen, Dieter/Nuscheler, Franz: Handbuch der Dritten Welt. Bd. 5 - Ostafrika und Südafrika. Bonn. S. 69. (22) Da die Entwicklung in Djibouti weitgehend mit der in Äthiopien analog verlief und der Küstenstaat Eritrea in den äthiopischen Staat bis 1993 eingegliedert war werden alle drei Länder zusammen betrachtet. (23) Hervorzuheben ist hier der Stadtstaat Harar, bis 1887 ein rein islamisches Handelszentrum und berühmt-berüchtigt, (...) weil er Ausgangspunkt der größten Bedrohung des orthodoxen christlichen amharischen Reiches geworden war. Hasselblatt 3. Aufl. 1999, a.a.O., S. 434.
Scheich Abdir errichtete im 10. Jhd.n.Chr. hier eine Art «islamischer Missionsbasis», die die ganze Region Somalia und Äthiopien umfaßte (...). Aves 1987, a.a.O., S. 66. (24) Matthies 1992, a.a.O., S. 23. - Gleichzeitig ist auch zu berücksichtigen, daß es aufgrund der Einwanderung und dem damit verbundenen Bevölkerungswachstum zur Verschmelzung und Islamisierung kam, woraus neue nomadische Stammesverbände entstanden. Mit den beginnenden klimatischen Veränderungen im 11 Jhd.n.Chr. kam es zu einer Expansionsbewegung dieser neuen, islamischen Stammesverbände, die in Nordostafrika eine regelrechte Völkerwanderung auslösten (...). Im 16. Jhd. vor allem drohten sie, den Bestand des abessinischen Reiches zu gefährden. Schröder 1990, a.a.O., S. 14f. (25) Auch die gegenwärtige Militärregierung verfolgt diese Politik. In allen Führungspositionen ist kein einziger Nichtamhare zu finden, d.h. die Revolution hat zwar eine Landreform und die Gleichberechtigung aller Kulturen proklamiert (...), stellt aber de facto eine Fortsetzung der Vorherrschaft der amharischen (abessinischen) Oberschicht dar (...). Mit eherner Konsequenz setzt sich das rassisch-religiöse (orthodox-christliche) System der amharischen Kolonialherrschaft wieder durch und widersetzt sich der (...) geforderten Entkolonisierung. Hasselbatt 3. Aufl. 1999, a.a.O., S. 435.
Eikenberg spricht gar von einem politischen Amharentum im Sinne einer politisch-kulturellen Dominanz und der Stellung des Amharischen als einziger offizieller Amtssprache (...)., das - zumindest formal - erst 1974 durch die Gleichstellung des Islam eingeschränkt wurde. Eikenberg 3/1993, a.a.O., S. 36. (26) Anzumerken bleibt, daß Menelik II. die Südexpansion vorantrieb um neben der Territorialsausdehnung mit den dortigen Rohstoffen und Ressourcen sowohl die Bevölkerung im Norden ernähren zu können, als auch im Austausch neue Waffen zu erlangen. Vergleiche hierzu Schröder 1990, a.a.O., S. 31; Matthies 1992, a.a.O., S. 73. (27) Der letzte von der äthiopischen Regierung durchgeführte Zensus von 1984
räumt dem orthodoxen Christentum mit rd. 54% den ersten und dem Islam mit rd. 33% den zweiten Rang ein; tatsächlich dürfte der Anteil des Islam höher sein (Schätzungen gehen bis etwa 50%). Eikenberg 31993, a.a.O., S. 35f. (28) Hasselblatt schätzt, daß unter den drei Millionen Flüchtlingen, die Äthiopien in den Jahren der Revolution verlassen haben (...) sicher achtzig Prozent Muslime (...) sind. Hasselblatt 3. Aufl. 1999, a.a.O., S. 437. (29) Die größte war die des Umayyaden-Khalifen Abdul Malik bin Marwan (645-666 n.Chr.). Eine weitere wichtige Gruppe kam aus dem Oman in der Zeit von 655-665 n.Chr. und 702 n.Chr. eine weitere aus dem Jemen , die sich an der Benadir-Küste (in der Nähe Mogadishus) niederliesen.
Vergleiche Aves 1987, a.a.O., S. 63f. (30) Zu diesem Zeitpunkt kam es u.a zur Einwanderung einer Gruppe aus Persien vom Stamme der Schiraz, die einen nachhaltigen Eindruck ihrer Kultur bzw. Ethnizität in der Region hinterließen und ihren Einflußbereich bis nach Mombasa ausdehnen konnten. Diese al-Ahsa Sunniten bestimmten dann für die nächsten 200 Jahre die Geschicke der Region; es kam zur Gründung von Mogadishu dem es bald gelang die Führung an der ostafrikanische Küstenregion zu übernehmen. Um den oben bereits erwähnten Stadtstaat Harar konnten sich sieben weitere islamische Reiche etablieren, die eine bedeutende Rolle in der weiteren Islamisierung der Region gespielt haben. Vergleiche Aves 1987, a.a.O., S. 65f. (31) Hersi 1977, a.a.O., S. 213. - Als
Dar al-Islam bezeichnet man - im Gegensatz zum Dar al-Harb, dem «Haus des Krieges bzw. der Ungläubigen» - den Teil der Welt, der von Muslimen dominiert bzw. beherrscht wird.
Bereits im 14. Jhd.n.Chr. wurde die Region unter der Bezeichnung «Duwal at-taraz al-islami» also als «modellhafte islamische Staaten» bekannt.
Der arabische Reisende Ibn Battuta, der Mogadishu 1331 n.Chr. besucht beschreibt den Ort seiner Unterbringung als großes theologisches Internat. Aves 1987, a.a.O., S. 76. (32) Zur Aufteilung kam es im Zuge der kolonial-imperialistischen Konkurrenz der europäischen Mächte untereinander und dieser mit dem um seine Unabhängigkeit ringenden Äthiopien zur territorialen und machtpolitischen Aufteilung (...), der namentlich die Somali zum Opfer fielen, da deren Lebensraum unter Äthiopien (Ogaden), Großbritannien (Britisch-Somaliland und Nordöstlicher Grenzdistrikt Kenias) Frankreich (Französische Somali-Küste) und Italien (Italienisch-Somaliland) zerstückelt wurden. Matthies 1992, a.a.O., S. 26. Vergleiche auch Labahn 31993, a.a.O., S. 136f. (33) Hersi führt hierzu aus: It is in this balkanization of the Somali country by none other than Christiaan powers that the unintended contributions of imperialism lie and here one must necessarily seek the ultimate reasons for the Somalis' relentless political identification with the Arab world. Hersi 1977, a.a.O., S. 271. (34) At the height of the nationalist movement in the 1950s the anti-Christiaan feeling was translated into a pro-Arab sympathy. Hersi 1977, a.a.O., S. 287. (35) Der 1960 unabhängig gewordene Staat zeigt seine Hinwendung zur arabischen Welt offen mit dem Beitritt zur arabischen Liga 1974. Hierbei wurde sicherlich - neben politischen Gründen - auch mit der dann zu erwartenden
wirtschaftliche Hilfe der reichen (arabischen) OPEC-Länder gerechnet, die auch geleistet wurde (siehe unten). (36) Brüne, Stefan/Matthies, Volker 31993: Krisen- und Kriegsregion Horn von Afrika. In: Nohlen, Dieter/Nuscheler Franz: Handbuch der Dritten Welt. Bd. 5 - Ostafrika und Südafrika. Bonn. S. 18. (37) Islamische Autoritäten könnten und können zwischen den verfeindeten Clans vermitteln und so zu einer Befriedung des Landes beitragen. Ansätze hierzu hat es mit einer Waffenstillstandsvereinbarung, die unter der Vermittlung des Imas von Mogadishu im Januar 1994 zustande kam, bereits gegeben. (38) Mohamed A. al-Khawas schreibt hierzu: The geopolitical importance of the Horn
of Africa has brought about active competition between Arab and foreign powers for influence in the region. al-Khawas, Mohamed A. 1981: Arab Involvement in the Horn of Africa: The Ogaden War, 1977-1978. In: The Search - Journal for Arab and Islamic Studies. 2, S. 567.
Bassam Tibi führt hierzu aus, daß neben dem zur politischen Ideologie erhobenen Islam (...) in den afro-arabischen Beziehungen noch der arabisch-israelische Konflikt eine zentrale Rolle spielt. Tibi 1986, a.a.O., S. 320. Dieser Konflikt beeinflußte nachhaltig auch die finanziellen Hilfsleistungen arabischer Staaten um sich der Solidarität der Länder am Horn sicher zu sein. Vergleiche hierzu auch Mertz, Robert Anton/Mertz, Pamela MacDonald 1983: Arab Aid to Sub-Saharan Africa. S. 28. (39) Steinbach führt hierzu aus: Für Israel bedeutete die freie Schiffahrt auf dem Roten Meer eine wichtige Komponente seiner wirtschaftlichen Außenbeziehungen. Wenn es diese Lebensader schon nicht vollständig kontrollieren konnte, so mußte es wenigstens daran interessiert sein, der Entstehung einer arabischen
Vorherrschaft dort entgegenzuwirken. Steinbach 1983, a.a.O., S. 172. (40) Die «Befreiungsbewegungen» in Eritrea genossen die Unterstützung einer Anzahl arabischer Staaten (...). Steinbach, Udo 1981: Spannungsherd Horn von Afrika. Ansätze zu einem neuen Pragnatismus in der Region. In: Europa-Archiv. 8, S. 248. und S. 255. (41) Vergleiche hierzu al-Khawas 1981, a.a.O., S. 567-571. Ein weiteres Indiz hierfür ist der «Vertrag über Freund-schaft und Zusammenarbeit» zwischen Libyen, Süd-Jemen und Äthiopien vom August 1981. (42) Vergleiche Matthies, Volker 1990: Die Rivalität der Supermächte am Horn von Afrika. In: Brüne, Stefan/Matthis,
Volker: Krisenregion Horn von Afrika. Hamburg. S. 279. Matthies beschreibt darin auch ausführlich die Situation bzw. Intension der Großmächte, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll.
Somalia war bereits seit 1974 Mitglied der Arabischen Liga. Festzustellen bleibt auch, daß Somalia offen lediglich von Ägypten und vom Iran gestützt wurde, während sich die anderen arabischen Länder zurückhielten. Gleichzeitig geriet Somalia in der afrikanischen Staatengemeinschaft zusehends in Isolation, denn die OAU sah in den kriegerischen Auseinandersetzungen einen Bruch ihres Prinzips der Unverletzlichkeit der nachkolonialen Grenzen. Labahn 31993, a.a.O., S. 140. Vergleiche auch Steinbach 1983, a.a.O., S. 178. (43) Steinbach 1983, a.a.O., S. 181. Dies gilt insbesondere seit dem Friedensvertrag Ägyptens mit Israel, das zuvor eine Sprecherrolle für die arabischen Länder innehatte. (44) Tibi 1986, a.a.O., S.
316. (45) Dieses Netzwerk läßt sich durch zwei Ströme kennzeichnen: Von Somalia aus sind dies die Migration von Gastarbeitern in die Golfregion, der Export von Lebendvieh, landwirtschaftlichen Produkten und in geringem Umfang von Industriegütern. Von den arabischen Länder fließen zurück: Ölprodukte aller Art, Industriegüter, Konstruktionsmaterialien und Nahrungsmittel sowie technisches Know-How und Entwicklungshilfe.Vergleiche hierzu Janzen, Jörg 1986: Economic Relations between Somalia and Saudi-Arabia. In: Northeast African Studies. 8(2-3), S. 41f. (46) Zielländer somalischer Exporte sind neben Saudi-Arabien (1982 86,3% der Gesamtexporte), andere arabische Länder (7,8%) und Italien (3,6%). Letzteres importiert aus Somalia hauptsächlich
Bananen. Vergleiche Janzen, Jörg 1990: Wirtschaftsstruktur und sozio-ökonomische Entwicklung Somalias (1960-1989). In: Brüne, Stefan/Matthies, Volker: Krisenregion Horn von Afrika. Hamburg. S. 199. (47) Im Zeitraum 1970-74 verschiffte Somalia 82% aller Lebendviehexporte nach Saudi-Arabien, 1975-1979 88,2% und 1980-1984 91,1%. Dieses Konzept erwies sich als unproblematisch solange ein stetiger Preisanstieg die erforderlichen Gewinne sicherte. Vergleiche Janzen 1986, a.a.O., S. 43ff., sowie Labahn 31993, a.a.O., S. 143f. Siehe hierzu auch Abbildung 4 im Anhang. (48) Vergleiche Janzen 1986, a.a.O., S. 44. Hierzu beigetragen hat neben der Internationalisierung des Viehhandels im Nahen Osten auch die zunehmende Konkurrenz durch Gefrierfleisch. Beide Faktoren führten zu einem starken
Preisverfall. Siehe auch Labahn 31993, a.a.O., S. 144f. (49) Janzen 1986, a.a.O., S. 45. (50) Janzen 1990, a.a.O., S. 193. (51) Janzen 1986, a.a.O., S. 47. (52) Schätzungen gehen davon aus, daß Mitte der achziger Jahre zwischen 300 bis 400 Mio. US-$ nach Somalia zurückflossen, ohne die die einseitig ausgerichtete somalische Wirtschaft vermutlich frühzeit kollabiert wäre. Vergleiche Labahn 31993, a.a.O., S. 146.
Die Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte, stagnierende Landwirtschaft und sinkende Exporte haben sich - auch politisch - negativ ausgewirkt. Korruption und Schwarzmarkt sind wieder aufgeblüht und scheinen unter Geschäftsleuten wie Regierungsmitgliedern und Beamten gleichermaßen verbreitet. Steinbach 1981, a.a.O., S. 253. (53) Vergleiche Janzen 1986, a.a.O., S. 47ff. Die Urbanisierung stieg von 17% 1960 auf 36% 1990. (Durchschnittliche Verstädterungsrate Subsahara-Afrika 1990: 29%). Diese Tendenz verschärft sich dramatisch seit dem Verfall des Ölpreises und der zunehmenden Rückkehr von somalischen Gastarbeitern. In der Golfregion finden nun vermehrt Arbeiter aus Südostasien (insbesondere Philippinen) statt Somalis eine Anstellung. Vergleiche auch Matthies 1992, a.a.O., S. 111. Folgen der Verstädterung
sind im ökologischen Sektor der Rückgang der Grundwasserreserven und damit einhergehend eine zunehmende Versteppung sowie im sozio-ökonomischen Bereich die Veränderung der Clan- bzw. Familienstrukturen. (54) Saudi-Arabia alone committed almost $ 22 billion (about 40%) of the Arab total. During 1976 and 1977, the Kingdom became the second largest donor of «official development assistance» in the world after the United States (...). Together Kuwait and Abu Dhabi committed another $ 23 billion of the Arab total. Mertz 1983, a.a.O., S. 13. (55) Tibi 1986, a.a.O., S. 321. (56) Ojo vertritt die Meinung, daß the Arab countries conceived their financial assistance to
Afrika as one instrument to be used to win the African states (...). African states dramatically changed their pro-Israeli policy and gave the Arab countries solid support in the latter's war with Israel in Ocober 1973. (...) For the first time, the Arab oil states agreed to use their oil ressources to fight Israel und setzten somit ihre Hilfsleistungen als politisches Instrument ein. Ojo, Olusola 1982: Afro-Arab Financial Cooperation. In: Afrika-Spectrum 3, S. 325. Ähnliches schreibt Mertz: Indee, for the Arab donor states, financial assistance is relatively a far more important instrument of foreign policy (...). Accordingly, many Arab donors desire to maximize their political and administrative control (...). Mertz 1983, a.a.O., S. 17. (57) Bassam Tibi schreibt hierzu, daß diese Organisation für die afro-arabischen Beziehungen (...) den höchten
Rang in den afro-arabischen Beziehungen einnimmt. Tibi 1986, a.a.O., S. 320. (58) Tibi 1986, a.a.O., S. 323. (59) Somalia ist seit 1974 Mitglied der Arabischen Liga. Daneben ist es u.a. in folgenden Organisationen vertreten: Organiszation of the Islamic Conference mit dem Standing Committee on Economic and Commercial Cooperation, der Islamic Development Bank und dem Council for Arab Economic Unity. Lediglich Djibouti ist als weiteres Land der betrachteten Region Mitglied in den ersten zwei genannten Organisationen. Vergleiche hierzu das Kapitel «Regionalorganisationen» in Koszinowski, Thomas/Mattes, Hanspeter 1992: Nahost Jahrbuch 1991. Opladen. S. 175- 184. Insbesondere die Islamic Development Bank fördert sehr stark den somalischen
Agrarsektor. Hofmeier, Rolf (Hrsg.) 1991: Afrika Jahrbuch 1990. Opladen. S. 310. (60) Beispielsweise ist es bei der Islamic Development Bank üblich zuerst Mitgliedsländer zu bedienen und dann erst Nicht-Mitgliedsländer (mit hoher islamischer Bevölkerung). Über oben angeführte Organisationen werden derzeit ca. 85% der Mittel vergeben. Meetz 1983, a.a.O., S. 17 und S. 132-136. (61) Vergleiche hierzu Tibi 1986, a.a.O., S. 324. (62) Somalia erhielt von 1980-1989 von arabischen Geberländern 443,6 Mio. US-$, annähernd genausoviel von den USA und 1100,7 Mio. US-$ von der ehemaligen Kolonialmacht Italien. Die bi- und multilateralen Hilfen beliefen sich 1990 insgesamt nur noch
auf 428 Mio. US-$. Labhan 31993, a.a.O., S. 148f. (63) Zu den Hilfszusagen vergleiche Hofmeier 1991, a.a.O., S. 310ff. (64) Grunebaum 1966, a.a.O., S. 8. (65) Nicht unterschlagen werden sollen die Befürchtungen Äthiopiens, das sich in der Zange zwischen dem islamischen Somalia im Süden und dem Sudan, der von einem konservativen (islamisch-fundamentalistischen) Regime regiert wird, wähnt. Hierzu führt Abun-Nasr aus, (...) daß im großen und ganzen die schwarzafrikanischen Muslime eine Umgestaltung der politischen Strukturen im Sinne der fundamentalistischen islamischen Ideologie nicht wünschen oder sich garnicht vorstellen können. Abun-Nasr, Jamil M. 1982:
Überlegungen zur heutigen politischen Rolle des Islam in Afrika. In: Afrika Spectrum 1, S. 7. (66) Hasselblatt 3. Aufl. 1999, a.a.O., S. 437f. (67) Die Abhängigkeit ergab sich, wie oben betrachtet, dadurch, daß die Lebendviehverkäufe fast ausschließlich und der Export von Bananen ab 1984 in steigendem Maße nach Saudi-Arabien gingen und die Migration von Gastarbeitern gewaltige Dimensionen annahm. Somalia hat keine Möglichkeiten die Verluste, die es seit dem Ölpreisverfall und der zunehmenden Konkurrenz auf dem Weltmarkt erleidet, zu kompensieren. Ob die von Janzen vorgeschlagenen Maßnahmen - Diversifizierung der Wirtschaft, Steigerung der Attraktivtät von Investitionen, Suche nach neuen Märkten und ökologische Maßnahmen um zu Verhindern,
daß die Lebensgrundlage der Nomaden nicht zerstört wird - tatsächlich in der jetzigen Situation weiterhelfen vermag ich nicht zu beurteilen. Sicher ist allerdings, daß Somalia für lange Zeit auf externe finanzielle und materielle Hilfe angewiesen sein wird. Vergleiche u.a. Janzen 1986, a.a.O., S. 50. 5.2 Bibliographie Abun-Nasr, Jamil M. 1982: Überlegungen zur heutigen politischen Rolle des Islam in Afrika. In: Afrika-Spectrum. 1, S. 5-19. Aves, A. Maho 1987: Der Islam in Somalia - Geschichtliche Entwicklung und kulturelle Bedeutung. In: Aves, A. Maho/Bechtold, K.-H. (Hrsg.): Somalia im Wandel. Entwicklungsprobleme und Perspektiven am Horn von Afrika. Tübingen. S. 61-95. Brüne, Stefan/Matthies, Volker (Hrsg.) 1990: Krisenregion Horn von Afrika. Hamburg. Dombroski, Franz A. 1983: The Growth and Consolidation of Muslim Power in the Horn of Africa: Some Observations. In: Archív Orientální. 51, S. 55-67. Grunebaum, G.E. von 1966: Der Islam in seiner klassischen Epoche 622-1258. Zürich, Stuttgart. Haseeb, Khair El-Din (Hrsg.) 1985: The Arabs & Africa. London, Beirut. Hasselblatt, Gunnar 3. Aufl. 1999: Horn von Afrika. In: Ende, Werner/Steinbach, Udo (Hrsg.): Der Islam in der Gegenwart. München . S. 427-439. Hersi, Ali Abdirahman 1977: The Arab Factor in Somali History. The Origins and the Development of Arab Enterprise and Cultural Influences in the Somali Peninsula. Diss., Los Angeles. Hofmeier, Rolf (Hrsg.) 1991: Afrika Jahrbuch 1990. Opladen. Hofmeier, Rolf (Hrsg.) 1993: Afrika Jahrbuch 1992. Opladen. Janzen, Jörg 1986: Economic Relations between Somalia and Saudi-Arabia. In: Northeast African Studies. 8(2-3), S. 41-51. Khawas Mohamed, A. 1981: Arab Involvement in the Horn of Africa: The Ogaden War, 1977- 1978. In: The Search - Journal for Arab and Islamic Studies. 2, S. 567-582. Koszinowski, Thomas/Mattes, Hanspeter (Hrsg.) 1992: Nahost Jahrbuch 1991. Opladen. Lewis, Ion M. 1990: Die Grenzen des Islam in Afrika und Asien - Afrika südlich der Sahara. In: Ess, J. van/Halm, Heinz (Hrsg.): Das Vermächtnis des Islam. Zürich/München. Bd. I, S. 133-145. Loth, Heinrich
1980: Afrika - ein Zentrum der alten Welt. Die historische Bedeutung eines Kontinents. Berlin. Matthies, Volker 1992: Äthiopien, Eritrea, Somalia, Djibouti. Das Horn von Afrika. München. Mertz, Robert Anton/Mertz, Pamela MacDonald 1983: Arab Aid to Sub-Saharan Africa. München. Nohlen, Dieter/Nuscheler, Franz (Hrsg.) 31993: Handbuch der Dritten Welt. Bd. 5: Ostafrika und Südafrika. Bonn. Ojo, Olosola 1982: Afro-Arab Financial Cooperation. In: Afrika-Spectrum. 3, S. 325-334. Richards, D.S. (Hrsg.) 1970: Islam and the
Trade of Asia. Oxford. Steinbach, Udo 1981: Spannungsherd Horn von Afrika. Ansätze zu einem neuen Pragmatismus in der Region. In: Europa-Archiv. 8, S. 247-256. Steinbach, Udo 1983: Das Horn von Afrika und die arabisch-islamische Staatenwelt. In: Friedrich-Ebert-Stiftung (Hrsg.): Horn of Africa. From Scramble for Africa to East-West Conflict. Bonn. S. 171-183. Tibi, Bassam 1986: Afro-arabische Beziehungen seit der Dekolonisation unter besonderer Berücksichtigung der Erdöl-Dimension. In: Afrika-Spectrum. 3, S. 315-335. Frank-M. Nowara |