| Weltweit wurde die Zerstörung der Buddha-Standbilder von Bamiyan durch afghanische Talibanmilizen mit Entsetzen und ohnmächtiger Empörung quittiert.
Bamiyan und das zugehörige Bamiyan-Becken, 230 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Kabul und 2500 Meter über dem Meeresspiegel gelegen, verdankte seinen Aufstieg zu einem wichtigen religiösen Zentrum auch seiner geo-strategischen Lage als wichtige Rast- und Handelsstation für Karawanen der Seidenstrasse auf dem Weg von Zentralasien nach Nordwestindien. Die beiden in einem Abstand von rund 400 m in den Fels gehauenen Buddha-Statuen werden auf das 3. beziehungsweise 5. bis 6. Jahrhundert nach Christus datiert und erreichen eine Höhe von 38 bzw. 55 m. Beide Statue übertrafen somit alle weltweit bekannten menschlichen Darstellungen und zeigen Buddha im Mönchsgewand, wobei die größere der beiden durch ihre ausgewogenen Proportionen als die ästhetisch überzeugendere gilt. Die
Statuen waren bereits mehrfach Ziel der Zerstörungen (erstmals wohl im 16. bzw. 17. Jahrhundert), so fehlt u.a. die ursprüngliche Vergoldung, die der berühmte Pilger Xuanzang um das Jahr 632 eindrucksvoll beschreibt: "Ihre goldene Oberfläche funkelte auf jeder Seite und ihr wertvoller Schmuck blendete mit ihrem Glanz die Augen". Neben den Kolossalstatuen sind es vor allem aber auch die Gemälde in den beiden Nischen - drei weitere enthielten ursprünglich auch Buddha-Statuen - die die heutige kulturhistorische Bedeutung durch die Verschmelzung verschiedener Elemente mit bildnerischen Einflüssen aus Indien, Griechenland und China und dem Nebeneinander von Klosteranlage, Monumentalplastik und Malerei ausmachen. Neben den Verlust des Kunstwertes dieser Statue tritt aber insbesondere für den benachbarten
indischen Kulturraum einer weitere Komponente: Das afghanische Hochland nimmt nämlich im kollektiven Geschichts- und Kulturbewusstsein einen ganz besonderen Platz als Nährgrund für die materielle und kulturelle Blütezeit der indischen Zivilisation ein. Gleichzeitig mit den Kunstwerken in Afghanistan wurde auch ein Teil des gemeinschaftlichen kulturellen Erbes der Menschheit vernichtet. |