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ÄGYPTEN: TAL DER KÖNIGE

Der Fluch des Pharao. Wahrheit und Legende.

1923 wird im Tal der Könige das Grab des Tut-ench-Amun geöffnet. Warnungen um einen angebliche Fluch, der für den vorzeitigen Tod derer sorgt die die Grabesruhe des Pharao stören werden von den Wissenschaftlern in den Wind geschlagen. Zwei Wochen später ist Lord Carnavon, der Leiter der Grabung tot.

Howard Carter: Das Grab des Tut-ench-Amun.

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Nach dieser Nachricht überschlug sich die Weltpresse förmlich. Angeblich hatte man eine eingemeißelte Warnung am Eingang des Grabes gefunden, die jedem Störer der königlichen Ruhe ein vorzeitiges Ende prophezeit. Das Interesse der Menschen richtete sich auf das antike Ägypten. War es möglich, dass der Fluch eines Pharao´s, der vor mehr als 3000 Jahren verstarb, für den Tot von Lord Carnavon verantwortlich war? Wenn ja, wie würde es den anderen Frevlern ergehen und welche weiteren Geheimnisse der alten Kultur warteten noch auf Entdeckung.

Jeder Tote unter den 26 Expeditionsteilnehmer wurde mit dem Fluch in Zusammenhang gebracht und Geschichten und Legenden rankten sich um den rätselhaften Bannspruch. Die Presse der damaligen Zeit scheint - ebenso wie die heutige - die Sensation geliebt zu haben. Denn bald hatte die Weltöffentlichkeit Gewissheit: Innerhalb von 10 Jahren nach der Graböffnung starben alle der Anwesenden einen zumeist mysteriösen Tod. Der Fluch der Pharaos, war also ein schreckliche Tatsache - das Wissen der Priester des alten Ägypten konnte auch noch in der Neuzeit Tod und Verderben bringen. Hierbei handelte es sich zwar nur um einen kleinen Recherchefehler, in den erwähnten 10 Jahren starben nur 6 Mitglieder der Expedition, aber wer interessiert sich bei so einer Story schon für störende Fakten.

Der englische Ägyptologe Dominic Montserrat, forschte nach den Ursprüngen des Fluchs im alten Ägypten. Er kam zu einem erstaunlichen Ergebnis - er fand nämlich keine Ursprünge. Keine Dokumente wiesen darauf hin, das die Priester irgendwelche Flüche auf frevlerische Grabräuber schleuderten. Keine Inschriften an Gräbern, keine eingeritzten Formeln.
In altägyptischer Zeit wurden Grabräuber auch nicht wegen Grabschändung oder dergleichen angeklagt, sondern ganz unspektakulär wegen Raubes - und zum Tode verurteilt.

Der Fluch der Pharaonen also nur eine Legende? Aber wo hatte diese Legende ihren Ursprung?

Doktor Montserrats Forschungen brachten heraus, das es keine Erwähnung des Fluches gab, die vor dem Jahr 1821 datierten. Für den Wissenschaftler steht fest, der Fluch der Pharaonen entstand in einer Art Striptease-Show am Picadilly Circus. Zur damaligen Zeit war Ägypten mal wieder groß in Mode, alles was mit dem alten Ägypten zu tun hatte reizte die Leute. Eine echte Sensation waren Entblätterungs-Show´s. Vor dem gut zahlenden Publikum wurden auf einer Bühne Mumien ausgewickelt und zur Schau gestellt. Die 25-jährige Jane Loudon Webb wurde von einer dieser Shows zu ihrer Science Fiction Story mit dem Namen "The Mummy" inspiriert. In diesem Buch erwacht eine rachsüchtige ägyptische Mumie im 22. Jahrhundert und treibt dort ihr Unwesen. Das Motiv gefiel und so wurde es auch mehrfach von anderen Autoren übernommen.
1822 erscheinen die Mumien in einem Kinderbuch. Forscher nutzen hier die sterblichen Überreste um das Innere von Pyramiden zu erleuchten.
1869 veröffentlichte die Amerikanerin Louisa May Alcott eine Kurzgeschichte mit dem Titel "Der Fluch der Mumie". Auch in dieser Geschichte nutzt ein Forscher die Überreste einer Mumie als Fackel und stiehlt eine goldene Kiste mit Samen. Ausgesät entwickelt sich eine seltsame Pflanze und der Duft verwandelt Menschen, die an der Blüte riechen, in lebende Mumien.

In den nächsten Jahrzehnten wurde die Geschichte um den Fluch der Pharaonen immer weiter ausgebaut und adaptiert. Zur Zeit der Entdeckung des Grabes von Tut-ench-Amun kannte nahe zu jeder, der sich mit Ägypten befasste, diesen Fluch und war sicher, dass er seinen Ursprung im antiken Ägypten hatte.
Als die Entdeckung des Grabes von Tut-ench-Amun bekannt wurde warnte die schottische Authorin Minnie MacKay (Pseudonym Marie Corelli) öffentlich vor der Rache der Mumie: "Der Tod kommt auf schnellen Flügeln zu dem, der das Grab des Pharao berührt!"

Nach altägyptischen Glauben haben die Entdecker des Grabes von Tut-ench-Amun, dem alten Herrscher sogar einen Gefallen getan. Die Seele der Verstorbenen, lebt nur solange in der Ewigkeit weiter, wie ihr Name von Zeit zu Zeit von den Lebenden erwähnt wird. Der spektakuläre Fund der Männer um Lord Carnavon, sorgte dafür, dass dieser Name wohl in den nächsten Jahrhunderten immer wieder Erwähnung findet.

Lesetipps:

Howard Carter: Das Grab des Tut-ench-Amun.
8°. Thienemann, Stgt. 1997.

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Philipp Vandenberg: Der Fluch der Pharaonen.
8°. 316 S. TB. Lübbe, Berg.-Gladb. 1995.

Ein sachlicher, fesselnder Bericht darüber, wie die Historiker unserer Tage die Legende des Fluches enträtseln und die Irrtümer von Jahrtausenden korrigieren.

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