| Mit den unbeschreiblichen Attentaten in New York und Washington am 11. September 2001 erreicht der internationale Terrorismus nicht nur eine vollkommen neue Dimension, sondern vielmehr dürfte dieser Tag langanhaltende Auswirkungen auf alle offenen Gesellschaftssysteme und auf die Betrachtungsweise der arabisch-islamischen Welt haben.
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| Terror in Amerika - Feindbild Islam? - Ansätze zu einem interkulturellen Dialog |
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Sehr rasch verdichteten sich Hinweise, dass die unvergleichliche Anschlagsserie einen arabisch-islamischen Hintergrund haben könnte. Der somit neue aufgerissene Graben zwischen den Kulturen vertiefte sich noch durch die Bilder jubelnder Palästinenser in Ost-Jerusalem, einer absoluten Minderheiten unter rund einer Milliarde Muslimen. Doch auch nahezu alle Regierungen des Nahen Ostens (vom Irak einmal abgesehen) - darunter auch Libyen und Iran - verurteilten die Anschläge und drückten dem amerikanischen Volk ihr Mitgefühl aus. Nichtsdestotrotz wurde eine Kette von Assoziationen losgetreten, die den Islam rasch als eine komplett irrationale, intolerante und gewalttätige Religion erscheinen lassen. Die von Samuel Huntington vielbeschworene These eines Clash of Civilisation' rückt wieder in
den Vordergrund, auch wenn es doch vielmehr so sein dürfte, dass die gegenwärtige Situation nicht in eine Auseinandersetzung zwischen unterschiedlichen Kulturen, Religionen oder Gesellschaftsformen münden darf, sondern vielmehr das Einstehen für die uns allen gemeinsamen Werte geboten ist. Mit der immer deutlicher werdenden Verantwortung des Extremisten Ibn Laden's, der einen irrationalen Kampf unter dem Deckmäntelchen der Religion führt, wächst - angeheizt durch eine multimediale Berichterstattung, die unterdessen von Islam- bzw. Orientwissenschaftlern der Universitäten Bochum, Köln und Münster als "teilweise unzulänglich und in Teilen irreführend" kritisiert wurde - die Versuchung Pauschalurteile gegenüber den drei Millionen Muslimen, die in der Bundesrepublik leben und über im Zeichen dieser Religion stehenden Ländern zu
fällen. Die Motivation der Täter - darüber ist sich die Fachwelt einig - speist sich aus politischen Phänomenen und Irrwegen, die in einem islamischen Gewande daherkommen, aber weder islamischer noch religiöser Natur sind, sondern sich aus einer politischen und gesellschaftlichen Ausweglosigkeit speisen. Die gegenwärtige Situation erfordert natürlich die Symptombekämpfung, also die Ergreifung und Bestrafung der wirklich Schuldigen, doch zugleich sollte unbedingt die polare Wahrnehmung der gegenwärtigen Freund-Feind-Schemen sowie die politische Doppelzüngigkeit überwunden werden und in einen gemeinsamen Dialog münden. |