| Die Ereignisse des 11. September haben nicht nur die Vereinigten Staaten und Europa erschüttert, sondern auch Afghanistan und den zentralasiatischen Raum, der komplett destabiliert wurde.
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| «Operation Enduring Freedoom Humanitarian Mission» - Werbe-
plakat der amerikanischen Streitkräfte |
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11. September 2001
Nahezu alle Staaten der arabischen Liga - auch Libyen und der Iran - haben die barbarischen Terrorakte auf Einrichtungen in Washington und New York scharf verurteilt und den USA humanitäre Hilfe angeboten. Ebenso wiesen palästinensische Organisationen wie Djihad oder Hamas jede Beteiligung zurück. 14. September 2001
Der Chef der afghanischen Opposition, Achmed Schah Massud, verstirbt an seinen schweren Verletzungen, die er 09. September 2001 bei einem Selbstmordanschlag erlitten hatte. Massud galt als eine der Symbolfiguren des afghanischen Widerstands gegen die Sowjet-Besatzung, seit Ende 1994 kämpfte er gegen die radikalislamische Taliban-Miliz. Seine Anhänger kontrollieren derzeit ca. zehn Prozent der Landesfläche. Zu seinem Nachfolger wurde unterdessen der 44-jährige General Mohammed Fahim bestimmt. 16. September 2001
Die Mitteilung der radikal-islamische Taliban-Regierung durch ihren stellvertretenden Vorsitzenden des Ministerrates, «dass der Heilige Krieg gegen die USA in aller Form wieder aufgenommen wird» wurde zwischenzeitlich von Regierungschef Mullah Hasan dementiert. Parallel wurden afghanische Truppenkonzentrationen, Quellen sprechen von rund 25.000 Mann, die u.a. mit russischen Scud-Raketen bewaffnet sind, an der Grenze zu Pakistan registriert, der afghanische Luftraum wurde bereits gestern geschlossen.
Ein Minister der Taliban hat unterdessen die Möglichkeit, dass bin Laden zumindest am Anschlag beteiligt gewesen sei nicht mehr ausgeschlossen, er forderte aber Beweise.
Die Spannungen zwischen Pakistan - das zwischenzeitlich den USA die Nutzung seiner Militärbasen erlaubt hat - und Afghanistan verschärfen sich: Die Regierung in Islamabad hat das Taliban-Regime ultimativ aufgefordert Osama bin Laden binnen drei Tagen auszuliefern und wird dazu am Montag Regierungsvertreter in das Nachbarland entsenden. 17. September 2001
Unter dem Eindruck des Terroranschlags auf die Vereinigten Staaten erklärte der iranische Präsident Khatami in einem Brief an UN-Generalsekretär Kofi Annan die Bereitschaft seines Landes den Terrorismus zu bekämpfen, nachdem ihn insbesondere die reformorientierte Presse wie die Zeitung Nowruz aufgefordert hatte sich klar auf die Seite Amerikas zu stellen. Gleichzeitig hat das iranische Innenministerium erstmals seit 1970 eine pro-amerikanische Demonstration in Teheran gestattet, bei der am Abend der Opfer der Anschläge gedacht werden soll.
Ein nahendes Ende der Eiszeit in den iranisch-amerikanischen Beziehungen wurde auch mit einem Kondolenzschreiben des Bürgermeister von Teheran, Morteza Alviri, an den New Yorker Bürgermeister Giuliani deutlich. In den kommenden politischen und ggf. militärischen Auseinandersetzungen wird sich Iran aber neutral verhalten: Präsident Khatami stellte klar, dass er die UNO als das geeignete Forum zur Erarbeitung einer umfassenden und koordinierten Strategie gegen den Terrorismus halte. 18. September 2001
Die Bemühungen Pakistans hinsichtlich der Auslieferung bin Ladens sind soweit fortgeschritten, dass nach Berichten der russischen Nachrichtenagentur ItarTass eine Auslieferung an einen neutralen Drittstaat grundsätzlich in Erwägung gezogen werde.
Pakistanische Medien und Kommentatoren befürchten, dass bei einer Unterstützung amerikanischer Militärschläge gegen Afghanistan eine massive Welle des Antiamerikanismus im Land ausbrechen und das destabilisierte Land in einen Bürgerkrieg stürzen könnte, denn zum einen gibt es im Land zahlreiche radikalislamische Gruppen und zum anderen geniesst das afghanische Taliban-Regime in Teilen der Bevölkerung grosse Sympathien. 19. bis 21. September 2001
Die Ulama - eine Versammlung von rund 1.000 afghanischen Geistlichen und Würdenträgern - hat überraschend verlauten lassen, dass sie Usama bin Laden auffordert, das Land freiwillig zu verlassen. Nach unbestätigten Angaben soll sich bin Laden darüber hinaus bereit erklärt haben sich in einem neutralen Land einem Gericht zu stellen sofern die USA Beweise für seine Verwicklung in die Terrorattentate vorlegen könne. Der talibanische Botschafter in Pakistan erklärte aber bereits einen Tag später, dass eine Auslieferung nicht in Frage käme: «Wenn er will, kann er gehen. Wir werden ihn nicht zwingen.» 23. September 2001
Das pakistanische Militärregime scheint mit seinem derzeit verfolgten Kurs zumindest außenpolitisch Punkten zu können. Am Sonntag wurde bekannt, dass die USA das 1998 nach Atomtests in Pakistan und Indien verhängte Embargo gegen beide Länder aufheben werden. Besonders Indien sei es daran gelegen wieder modernste Computer und andere Hochtechnologie zu importieren, allerdings dürfen amerikanische Firmen nun auch wieder Waffen an die beiden Atommächte liefern. 25. September 2001
Nachdem die Vereinigten Arabischen Emirates ihre diplomatische Beziehungen zu Afghanistan bereits vor drei Tagen als beendet erklärten, hat sich nun auch Saudi-Arabien zu diesem Schritt entschlossen. Die amtliche saudiarabische Nachrichtenagentur SPA zitiert eine offizielle Stellungnahme wonach Saudi-Arabiens Versuche, die Taliban zu überzeugen, Terroristen keinen Unterschlupf zu gewähren, erfolglos blieben. Die derzeitige Regierung Afghanistan wird somit nur noch von Pakistan anerkannt, das aber als wichtigster Brückenkopf der USA gilt und offiziell nun auch seine Diplomaten aus Kabul zurückgerufen hat. 26. September 2001
Revolutionsführer Khamenei erklärte, dass es zu keiner militärischen Unterstützung Amerikas im Hinblick auf einen möglichen Schlag gegen Afghanistan durch Iran kommen wird - auch wenn Iran bereits seit Jahren die Nordallianz unterstützt. Khamenei teilte in einer im Fernsehen ausgestrahlten Ansprache - in der er den Terrorismus verurteilte -mit, dass die Vereinigten Staaten ernsthaft keine internationale Bewegung gegen den Terrorismus leiteten und warf den USA bei dessen Bekämpfung eine Doppelmoral vor. 28. bis 30. September 2001
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die Freigabe eines Kredits in Höhe von 135 Millionen Dollar an Pakistan bewilligt und forderte das Land auf, trotz aller Unsicherheiten in der Region und im Nachbarland Afghanistan, seine wirtschaftlichen Reformen weiterzuführen. Pakistans Präsident General Pervez Musharraf gestand am 30. September 2001 in einem Gespräch mit dem Sender CNN ein, dass auf eine friedliche Einigung mit den Taliban nicht mehr zu hoffen sei. 02. Oktober 2001
Die von der amerikanischen Administration am vorgelegte Liste von Organisationen im Nahen Osten, die als verdächtig gelten den internationalen Terrorismus zu unterstützen, verzeichnet auch Gruppen aus dem Libanon. Im Mittelpunkt amerikanischen Interesses stehen dabei der Asbat al-Ansar («Liga der Prophetenanhänger») und die bereits im Januar 2000 von libanesischen Sicherheitskräften ausgehobene Gruppe Takfir wa al- Hidjra («Ausgrenzung und Flucht») und am Rande der dissidente Palästinenserführer Munir Mokdah im Flüchtlingslager Ain al-Helweh bei Sidon. Viele Kenner machen aber gerade auch ein syrisches Veto dafür verantwortlich, dass die libanesischen Regierungskräfte nicht längst gegen diese Organisationen vorgegangen sind. Aus Oppositionskreisen verlautet, dass es sich dabei um Kalkül der syrischen Regierung handelt um durch solche regionalen Konflikherde die fortgesetzte
Besetzung des Zedernlandes auch international rechtfertigen zu können.
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| U.S. Air Force photo by Staff Sgt. Cecilio Ricardo
© Department of Defense |
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| Nahrungsmittelverteilung durch das Internationale Rote Kreuz. |
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03. Oktober 2001
Die USA arbeiten - neben den Vorbereitungen eines Militärschlages - auch auf der diplomatischen Ebene auf einen Sturz der herrschenden Taliban hin und bemühen sich dabei insbesondere um den im römischen Exil lebenden afghanischen König Sahir Schah.
Unterdessen wurde bekannt, dass die Nordallianz nach eigenen Angaben ihre jüngsten Attacken gegen die Taliban mit den USA abgestimmt haben. Zugleich zeichnen sich im Land selbst auch erste Strukturen des Machtverfalls der Taliban ab: lokale Ältestenräte sollen erstmals begonnen haben die Taliban zu kritisieren. 05. Oktober 2001
Noch bevor klar ist wie der sich abzeichnende Militärschlag gegen Ossama Bin Laden aussehen wird beginnt auch in Pakistan der politische Prozess hinsichtlich einer Neuordnung der Region, in den das Land auch international einbezogen werden möchte. Dabei hat Pakistan sein Interesse an einem Treffen mit König Sahir Schah bekundet. Immerhin ist der Nachbar zu Afghanistan nicht zuletzt auch durch seine ethnisch-religiösen Bindungen einer der wichtigsten Nebenkriegsschauplätze: Das Land selbst befindet sich in einer politisch äußerst instabilen Lage, denn auch wenn die Militärregierung nun die USA unterstützen so hat das Land selbst jahrelang die Taliban als willigen Helfer im Kashmir-Konflikt aber somit natürlich auch gegen die Nord-Allianz unterstützt und auch in der eigenen Bevölkerung steht man nicht unbedingt hinter dem Kurs der Regierung. 07. Oktober 2001
Amerikanische und britische Streitkräfte haben u.a. mit Kampfjets vom Typ F16 und Tomahawk-Marschflugkörpern von Marinestützpunkten im persischen Golf aus Ziele in Afghanistan, als Reaktion auf die Terrorattentate in Washington und New York vom 11. September 2001, angegriffen. Ziele waren in einer ersten Angriffswelle Kabul und in einer zweiten und dritten auch die Städte Djalalabad und Kandahar. Die Angriffe galten nach Augenzeugenberichten nicht nur Militär- und Ausbildungsbasen der Gruppe der al-Qaida um Ossam bin Laden, sondern darüber hinaus sollen auch Wohnhäuser, in denen bin Laden und Mullah Muhammad Omar, Anführer der Taliban, vermutet werden, angegriffen worden sein.
Unmittelbar nach der ersten Angriffswelle strahlte der in Qatar ansässige unabhängige Fernsehsender al-Djazira (www.aljazeera.net ) eine wohl schon vor einigen Tagen aufgenommene Stellungnahme Ossama bin Ladens aus, der bereits unmittelbar nach den Anschlägen als Hauptverdächtiger galt, in dem dieser sich erstmals selbst direkt zu den Attentaten bekannte. 08. bis 09. Oktober 2001
Auch wenn es zunächst so schien als wenn es ganz im Sinne Irans wäre, das unliebsame Taliban-Regime zu stürzen, so hat das iranische Außenministerium die Angriffe auf Afghanistan nun scharf verurteilt. Ganz gegensätzlich hierzu verhält sich allerdings die veröffentlichte Meinung, denn Presse und Rundfunk bereiteten die Situation im Nachbarland fast nur nachrichtlich auf und verzichteten völlig auf Kommentare.
Nach Angaben aus dem Pentagon wurden während der ersten Angriffswelle vom 07. Oktober 2001 50 Marschflugkörper abgefeuert - von Bombern und Kampfflugzeugen ebenso wie von Schiffen und U-Booten. Die Angriffe hätten sich dabei nur gegen Flugabwehrsysteme, Flugzeuge und Stützpunkte von Terroristen gerichtet.
Der amerikanische Verteidigungsminister Rumsfeld benannte erstmals die genaueren Ziele der Aktionen: Neben dem Kampf gegen den Terrorismus und der Zerschlagung der von bin Laden geführten Organisation al-Qaida gelte die Entwaffnung der Taliban als prioritär. Noch während die Militärschläge auf Afghanistan andauerten warfen Transportflugzeuge der amerikanischen Luftwaffe ausserdem Lebensmittel und Medikamente über Afghanistan ab.
Bereits eine Stunde nach der ersten Angriffswelle verstärkte die Nord-Allianz ihren militärischen Druck auf die Taliban-Milizen durch eine Operation gegen eine 40 Kilometer nördlich von Kabul gelegene Stellung der Taliban. Darüber hinaus wurde für die nächsten Tage eine Offensive gegen die Hauptstadt Kabul angekündigt. Wie der amerikanische Sender CNN berichtete wurde am frühen Montagabend des 08. Oktobers 2001 mit einer zweiten Angriffswelle durch amerikanische und britische Streitkräfte begonnen. Ziele seien neben Kabul auch wieder die Stadt Kandahar, in deren Umgebung Artilleriefeuer zu sehen gewesen sein soll. Die Taliban reagierten offenbar mit auch mit Boden-Boden-Raketen, die aber auch gegen die Nordallianz gerichtet waren.
Nach dieser zweiten Angriffswelle wurden die Angriffe am Dienstagmorgen des 09. Oktobers 2001 auch nach Tagesanbruch gegen Kabul und Kandahar weiter fortgesetzt berichtete der Sender CNN.
Rundfunkberichten zufolge hat sich Irans Präsident Muhammad Khatami unterdessen zu Wort gemeldet und das Islamverständnis Ossam Ibn Ladens scharf kritisiert: Terrorismus sei ein grosses Verbrechen, sagte Khatami, aber den Islam als Vorwand und Rechtfertigung dafür zu benutzen, sei ein noch grösseres Verbrechen. 10. Oktober 2001
Wie das Pentagon bestätigte habe man die Lufthoheit über Afghanistan erlangt und werde die Angriffe auf Ziele der Taliban nun auch bei Tag fortsetzen. Der US-Verteidigungsminister Rumsfeld bestätigte, dass 80% der anivierten militärischen Ziele zerstört seien. Zu den Zielen habe auch das Haus von Taliban-Chef Mullah Muhammed Omar gehört. Die Vereinten Nationen bestätigten inzwischen, dass auch ein Gebäude der UNO zerstört und vier Mitarbeiter getötet wurden. Die Arabische Liga hat zwar unterdessen das Vorgehen der USA gebilligt, aber auch erklärt, dass «jeder Militärschlag gegen ein arabisches Land wird schwere Konsequenzen nach sich ziehen und als Aggression gegen arabische Staaten betrachtet» werde falls Ziele außerhalb Afghanistans angegriffen würden. In einem Video rief die von Ossam Ibn Laden gesteuerte al-Qaida alle Muslime zum Krieg gegen die USA auf und kündigte
weitere Anschläge an.
Wie der Sender CNN berichtet haben am Abend die USA ihre bisher schwersten Angriffe auf die afghanische Hauptstadt Kabul geflogen, nachdem bereits am zweiten Tag in Folge auch bei Tageslicht Militäroperationen durchgeführt wurden. Dabei seien auch fast zweieinhalb Tonnen schwere Bomben mit grosser Durchschlagskraft auf mutmassliche unterirdische Bunker und gepanzerte Kommadozentralen der Taliban zum Einsatz gekommen. Aussenminister Powell erklärte am Abend, dass es derzeit - entgegen bisher veröffentlichten Aussagen aus diplomatischen Kreisen - keine Pläne für Angriffe auf andere Ziele als Afghanistan und die Gruppe al-Qaida gebe. 13. bis 14. Oktober 2001
Nachdem in der Nacht von Samstag auf Sonntag Kabul zum siebten Mal in Folge angegriffen wurde hat das Pentagon nun erstmals Berichte über Fehltreffer bestätigt, bei dem ein amerikanischer Kampfjet versehentlich ein Wohnviertel in Kabul bombardiert habe, bei dem - nach unbestätigten Angaben - bis zu 180 Zivilisten ums Leben kamen. Unabhängigen Berichten zufolge soll es sich aber um mindestens den dritten Fehlangriff handeln.
Bei einer Zusammenkunft von mehr als 500 prominenten Vertretern paschtunischer Stammesführer in der pakistanischen Stadt Bara erklärten ihre Sprecher, sobald US-Truppen Afghanistan betreten, würden sie zum «Heiligen Krieg» aufbrechen. Wie die Onlineausgabe der Asia Times (atimes.com ) berichtete, übt die pakistanische Regierung in dem aus acht Bezirken bestehenden Stammesgebiet der Afridi faktisch keinerlei staatliche Kontrolle aus. Ranghohe Mitglieder der afghanischen Taliban-Regierung haben sich 14. Oktober 2001 bereiterklärt Ossama Ibn Laden an ein Drittland auszuliefern, wenn stichhaltige Beweise vorgelegt würden, die seine Beteiligung bestätigen und die Luftangriffe eingestellt werden. Die Initiative wurde von der US-Administration noch am Abend als inakzeptabel zurückgewiesen.
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| Die prekäre Stimmungslage in Pakistan zeigt deutlich eine am 15. Oktober 2001 veröffentlichte Umfrage der Zeitung Indian Express: Stützen zwar 51% der Pakistanis den Kurs Musharrafs, so lehnen allerdings 75% Zugeständnisse an die Amerikaner ab und 82% sehen in Ussama Ibn Laden einen Glaubenskämpfer. |
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16. bis 17. Oktober 2001
In der neunten Nacht der Angriffe auf Afghanistan rückte die Hauptstadt Kabul sowie Kandahar ins Zentrum amerikanischer Kampfbomber, die die schwersten Angriffe während der gesamten Militäraktion durchführten. Unterdessen schüren Berichte über den Einsatz von Hubschraubern in Kandahar Gerüchte über den schon Bald möglichen Beginn einer Bodenoffensive der USA in Afghanistan. Die Vereinten Nationen teilten zwischenzeitlich mit, dass bei US-Attacken auf die nordafghanische Stadt Masar-e-Scharif am Freitag fünf Zivilisten getötet worden seien.
Amerikanische Kampfjets bombardieren insbesondere die Hauptstadt Kabul nahezu ununterbrochen. Da die Luftabwehr weitgehend zerstört sei gehe man nach Angaben des Pentagon dazu über Ziele spontan ins Visier zu nehmen, hierzu würden Truppen und Panzer, Ausbildungslager für Terroristen sowie Flughäfen und Landeplätze gehören. Das Pentagon musste aber auch bestätigten, dass ein Lagerhaus des Roten Kreuzes bei Kabul getroffen worden sei. In einer Mitteilung hieß es, dass die Lagerhäuser als Ziel ausgewählt worden seien, weil die Taliban darin Militärausrüstung lagern würden. Die USA hätten nicht gewusst, dass die Gebäude auch vom Roten Kreuz genutzt wurden. Seit dem Beginn des Angriffs am 07. Oktober seien bisher weit über 2.000 Bomben über Afghanistan abgeworfen worden. Die Nordallianz sei zwischenzeitlich kurz davor die Stadt Masar-i-Scharif einzunehmen.
18. bis 19. Oktober 2001
Der amerikanische Präsident Bush bestätigte erstmals den anstehenden Einsatz von Bodentruppen in Afghanistan. Berichten zufolge seien erste Verbände auf amerikanische Flugzeugträger in der Region verlegt worden. Informationen der Washington Post vom 19. Oktober 2001 zufolge, nach denen US-Elitesoldaten bereits im Süden Afghanistans operieren sollen, wollten US-Militärkreise weder bestätigen noch dementieren. Die Luftschläge auf Ziele in Afghanistan gingen unterdessen unvermindert weiter. 22. bis 23. Oktober 2001
Im Krieg gegen die Taliban ändert das Pentagon offensichtich seine bisherige Strategie, inden die auch am Wochenende fortgesetzten Angriffe zunehmend auf Stellungen der Taliban an der Front gegen die oppositionelle Nordallianz verlagert werden, da man dort «unglaubliche Waffenansammlungen» beobachtet habe. Nach am 23. Oktober 2001 veröffentlichten Augenzeugenberichten sollen die Amerikaner dabei versehentlich aber auch Posten der Nordallianz bombardiert haben. Darüber hinaus hat das US-Verteidigungsministerium zugegeben, dass bei den Luftangriffen in Afghanistan am vergangenen Wochenende mehrere Bomben in Wohngebiete in Kabul und Herat eingeschlagen sind. Drei Geschosse hätten ihr Ziel verfehlt, aber auch ein Fehltreffer in Herat wird nicht mehr ausgeschlossen. 25. Oktober 2001
Nachdem es aus amerikanischen Quellen bisher geheißen hatte, dass die Luftabwehr der Taliban zerstört sei und man die Militäraktionen vor Wintereinbruch beenden werde, erklärte nun das Pentagon, dass man über die Hartnäckigkeit überrascht sei und auch im Fastenmonat Ramadan das Bombardement fortsetzen werde. Zugleich stellte der amerikanische Verteidigungsminister am 25. Oktober 2001 gegenüber der Zeitung USA Today (www.usatoday.com ) fest, dass er keine Festnahme Ossam bin Ladens mehr erwarte, die US-Administration jedoch am Sturz der Taliban festhalte. 26. Oktober 2001
Am Freitagabend wurde offiziell bestätigt, dass der afghanische Oppositionspolitiker Abdul Huk, der offensichtlich sowohl im Auftrag des im römischen Exil lebenden Königs in einer Friedensmission unterwegs gewesen war, aber wohl auch im Süden des Landes den Widerstand gegen die Taliban zu organisieren sollte, rund 50 km südlich von Kabul verhaftet und durch die herrschenden Taliban hingerichtet wurde. 27. bis 31. Oktober 2001
Den ganzen Samstag über nahmen amerikanische Kampfbomber in mehreren Angriffswellen Ziele der Taliban auf der Schomali-Ebene und in Kabul unter Beschuss. Dabei wurde, wie das Pentagon bestätigte, zum zweiten Mal in diesem Monat ein Lebensmittellager des Internationalen Roten Kreuzes getroffen.
Nachdem die Bombardierung von Zielen in Afghanistan in die vierte Woche gehen überlegt die iranische Führung nun offen, wie iranischen Interessen besser in die Strategieplanung der Amerikaner eingebracht werden können, da davon ausgegangen wird, dass die USA bereit sind ihre regionalen Allianzen in Zentralasien zum Vorteil Irans zu überdenken.
Die USA haben am 31. Oktober 2001 erstmals den Einsatz von Bodentruppen in Afghanistan offiziell bestätigt. Nach Angaben des Pentagon seien rund 100 Soldaten - nach Angaben der Taliban im Norden des Landes - im Einsatz um sowohl bei der Beschaffung von Zieldaten für die Bombenangriffe zu helfen und um mit der oppositionellen Nordallianz zusammenarbeiten. 01. November 2001
Truppen der Taliban haben im Norden des Landes - trotz amerikanischer Flächenbombardements am Vormittag - eine gemeinsam mit der Nordallianz vorgenommene Offensive südlich der Stadt Masar-e-Scharif abwehren können. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums vom Vormittag haben die Angriffe vom Vormittag dazu gedient die Kommunikationsmöglichkeiten der Taliban zu zerstören. Der internationale Druck, die Militärschläge zumindets während des Ramadan zu unterbrechen nimmt unterdessen deutlich zu: schließlich haben die USA bisher keine militärischen Erfolge vorzuweisen, wenn man von der Zerstörung von Militäranlagen bei wachsenden «Kollateralschäden» an Afghanistans Bevölkerung absieht. 03. bis 04. November 2001
In seiner fünften, vom Nachrichtensender al-Djazeera (www.aljazeera.net) am Samstag (03.11) ausgestrahlten Videobotschaft, warnt Ossam bin Laden die arabischen Staats- und Regierungschefs ausdrücklich vor einer Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen, und erklärt, dass es keinerlei Zusammenhänge zwischen den Attentaten in den Vereinigten Staaten und dem afghanischen Volk gebe. Der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, erklärte hierzu am Sonntag (04.11) in Damaskus, dass man den Aufruf Bin Ladens zurückweise.
In Vorbereitung eines Vorstosses des Nordallianz auf die nordafghanische Stadt Mazar-e-Sharif haben die USA am Sonntag die bisher schwersten Angriffe auf Ziele rund um Kabul geflogen und gleichzeitig ihre Bodentruppen verstärkt. Diplomaten sehen aber bisher noch keinen Lösungsansatz für die Nachfolge der Taliban, UNO-Generalsekretär Kofi Annan machte jedoch in einem am Montag in Le Figaro (www.lefigaro.fr) veröffentlichten Interview deutlich, dass die UN zur Hilfe bereit sei, das Land aber nicht zu einem Protektorat der UN werde. 06. November 2001
Im Laufe des Dienstag haben die USA über Afghanistan erstmals in zehn der dreizig Provinzen des Landes auch Bomben des Typs «Daisy Cutter» eingesetzt, die in der Lage sind eine Fläche von rund einem Quadratkilomter in Brand zu setzen. Die Oppositionstruppen der Nordallianz haben darüber hinaus wichtige Geländegewinne um Mazar-e-Sharif verkündet. 08. November 2001
Pakistan, das die Taliban jahrelang unterstützte, ist nun bestrebt ihnen auch im eigenen Land den Boden zu entziehen. In einem ersten Schritt beschloss die pakistanische Militärführung die Schließung des afghanischen Konsulats in Karachi. 09. November 2001
Nach den wochenlangen US-Bombardements auf Afghanistan konzentriert sich die innerafghanische Opposition ganz um die strategisch bedeutsame Stadt Mazar-e-Sharif, die nach Berichten der Nordallianz von dieser am Freitag von rund 2000 Soldaten unter dem Befehl des usbekischen Feldkommandeurs General Abdul Rashid Dostum eingenommen wurde. Die Bedeutung der Stadt liegt in ihrer geostrategischen Lage, da nun eine unmittelbare Nachschublinie zu den US-Basen in Usbekistan und Tadschikistan frei bzw. die der Taliban blockiert ist.
In seinem ersten Interview seit dem 11. September 2001 - mit der pakistanischen Tageszeitung Dawn vom 10.11 (www.dawn.com) - droht Ossam bin Laden zwischenzeitlich mit den Einsatz von Atom- und Chemiewaffen und wird mit den Worten zitiert «wenn es keine Sicherheit für uns gibt, wird es keine Sicherheit für die Amerikaner geben.» 11. November 2001
Nach Berichten der Nordallianz vom plant die US-Armee unterdessen in die Provinz Badghis im Westen Afghanistans vorzurücken um sich dort mit den Truppen des Oppositionsgenerals Ismail Chans - die zur Zeit vor Herat stehen - zu vereinen. Immer dringlicher wird nun auch die Planung einer Nachkriegsarchitektur, da ein neues Aufflammen des Bürgerkrieges für mehr als wahrscheinlich gilt wenn von Nicht-Paschtunen die paschtunische Stadt Kabul wieder erobert wird. Bei einer Machtübernahme durch die in Kabul verhasste Nordallianz, ohne dass vorher eine weitgehend politische Einigung erzielt wäre, würde das Land nur noch tiefer ins Chaos stürzen. 13. bis 14. November 2001
Wie der Sender al-Djazeera (www.aljazeera.net) meldete hat sind in den frühen Morgenstunden erste Einheiten der Nordallianz in Kabul eingerückt, aber auch der Flughafen von Kandahar soll sich nun unter Kontrolle der Nordallianz befinden. Begründet wurde die überraschende Einnahme Kabuls von der Nordallianz, dass der Einmarsch der Aufrechterhaltung der Sicherheit in der Stadt diene. Nach Berichten der BBC ist es - wie schon in Mazar-e-Sharif, wo die Vereinten Nationen von mindestens 100 exekutierten Taliban sprechen - dabei auch zu ersten Plünderungen und Lynchmorden gekommen. Unterdessen melden al-Djazeera und die Nordallianz übereinstimmend die Einnahme Kandahars, geistiges und politisches Machtzentrum der Taliban. Nach der Lage am Mittwochabend (14.11) beherrschen die Taliban somit nur noch sechs der 29 Provinzen Afghanistans. 15. November 2001
Angesichts dieser neuen Situation bemüht sich die internationale Staatengemeinschaft - trotz fortgesetzter Bombenangriffe der USA auf Kandahar und Kudus - nun mit der Planung zweier Konferenzen zur Organisation humanitärer Hilfe und der Bildung einer (Übergangs-) Regierung. Allerdings dementierte die amerikanische Seite die Beteiligung an einer internationalen Friedenstruppe. Verteidigungsminister Rumsfeld erklärte am Abend, dass er es für «höchst unwahrscheinlich» halte, dass sich die Amerikaner an irgendeiner Friedenstruppe in Afghanistan beteiligen werden. 16. November 2001
Wie am Freitagabend amerikanische Regierungskreise verlauten ließen wurde der Militärchef der al-Qaida und vermutete Nachfolger Ossama bin Ladens bei einem Luftangriff getötet. Das geistliche Oberhaupt der Taliban Mullah Omar soll unterdessen bereit sein die Stadt Kandahar an zwei örtliche Führer der Paschtunen zu übergeben. 17. November 2001
Der frühere afghanische Präsident Burhanuddin Rabbani ist nach fünf Jahren Abwesenheit bedingt durch seine Vertreibung durch die Taliban am Samstag nach Kabul zurückgekehrt und hat sich dort zum Staatsoberhaupt erklärt. Allerings betonte sein Außenminister Abdullah dabei auch, dass die Nordallianz nachwievor an der Bildung einer Regierung unter Beteiligung aller Volksgruppen festhalte. 19. November 2001
Unterdessen setzen die USA ihre Luftangriffe auf Afghanistan fort. Pakistanischen Presseberichten vom Montag (19.11) zufolge wurde dabei auch ein ehemaliges Lager der Mudschahedin in Ostafghanistan bombardiert und sieben Mitglieder einer erst kürzlich gegründeten Anti-Taliban-Regionalregierung getötet worden. In Kundus, einer der letzten Hochburgen der Taliban, laufen Verhandlungen mit der Nordallianz mit den verbliebenen 10.000 Taliban über eine Kapitulation, die aber als ausgesprochen schwierig beschrieben werden, da sich hierher auch tausende ausländischer Söldner verschanzt haben. Unterdessen planen die Vereinten Nationen bereits die Einberufung einer Konferenz nach Bonn um dort über die Bildung einer Allparteienregierung in Afghanistan zu beraten. 20. November 2001
Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem Amtskollegen Colin Powell bestätigte der deutsche Außenminister Fischer, dass die Verhandlungen zur Bildung einer Übergangsregierung für Afghanistan in Berlin stattfinden werden. Burhanuddin Rabbani, ehemaliger Präsident Afghanistans und Führer der Nordallianz, dämpfte allerdings die Erwartungen die in die Gespräche gesetzt werden und betonte in einem Interview mit dem amerikanischen Sender CNN, dass die Gespräche wohl eher symbolischer Natur sein werden.
Unterdessen wurde bekannt, dass bei vier Angriffen der amerikanischen Luftwaffe auf die Stadt Kudus - wo rund 13.000 Taliban eingekesselt sein sollen - in der vergangenen Nacht es zu zahlreichen Opfern gekommen sein soll. Das Verteidigungsministerium spricht von einer schwierigen Phase und plant aus diesem Grund die Erhöhung der Spezialeinheiten im Land um 1.500 Mann. 26. November 2001
Unmittelbar einen Tag nach dem Fall der Stadt Kundus haben die USA - nach siebenwöchigen Luftangriffen - die bisher größte Bodenoffensive in Afghanistan eingeleitet. Wie der Fernsehsender CNN berichtete landeten mehrere hundert Marines im Süden Afghanistans, die binnen 24 Stunden um bis zu weitere 1.500 Mann verstärkt werden sollen. Die Taliban kündigten unterdessen erbitterten Widerstand gegen die US-Truppen im Kampf um Kandahar die letzte verbliebene Hochburg der Taliban. 27. November 2001
Am heutigen Dienstag beginnt auf dem Bonner Petersberg währenddessen die internationale UN-Konferenz auf der Pläne für eine freie, multi-ethnische Nachkriegsregelung entwickelt werden sollen. Besonders gefordert sind dabei die Vertreter der Nordallianz, die die UNO zur Zustimmung der Stationierung einer internationalen Friedenstruppe bewegen möchte. 28. November 2001
Die USA bombardierten ein Lager der Taliban in der Nähe der südafghanischen Stadt Kandahar, das nach Berichten des Senders CNN, von hohen Funktionären der Taliban genutzt worden sei. Die Lage in einem Lager in Masar-i-Sharif ist nach einer Gefangenenrevolte, so CNN, weiterhin nicht unter Kontrolle. Ein Korrespondent der BBC berichtete, dass die Leichen von rund 600 Taliban über dem Gelände verstreut lägen.
Überraschend rasch konnte man sich dagegen am ersten Tag der Afghanistan-Konferenz in Bonn auf einen Zeitplan einigen. Demnach soll die Stammesversammlung im Frühjahr 2002 über eine provisorische Regierung entscheiden.
Nach Korrespondentenberichten ist Kandahar, die letzte Hochburg der Taliban, durch amerikanischen Dauereinsatz quasi «sturmreif» geschossen worden. 29. bis 30. November 2001
Währenddessen kommt die Afghanistan-Konferenz zügig voran. Nachdem man sich auf die Bildung einer gemeinsamen Übergangsregierung einigen konnte steht heute nun die Machtverteilung innerhalb des künftigen Kabinetts im Mittelpunkt der Gespräche. Auch im Hinblick auf eine internationale Friedenstruppe konnten Ergebnisse erzielt werden: In einem Interview mit dem Sender CNN zeigte sich der Außenminister der Nordallianz, Abdullah Abdullah, grundsätzlich bereit, eine solche im Land zu akzeptieren. Dieser Frage kommt besondere Bedeutung zu, da die aus Minderheiten bestehende Nordallianz mit Hilfe der USA weite Teile des Landes von den Taliban erobert hat und befürchtet wird, diese könne nun zu einer Teilung der Macht nicht bereit sein. 01. bis 02. Dezember 2001
In letzter Minute konnte am Samstag ein Scheitern der UN-Konferenz auf dem Bonner Petersberg verhindert werden. Den Vermittlern gelang es, eine grundsätzliche Einigung zu einer gemeinsam getragenen Übergangsregierung zu erreichen. Diese wird aller Voraussicht nach für 18 Monate die legislative, exekutive und judikative Gewalt ausüben. Über die Besetzung des 20 bis 30 köpfigen Gremiums möchte man sich noch am Sonntag verständigen.
Unterdessen bleibt die letzte Hochburg der Taliban, die südafghanische Stadt Kandahar, weiter heftig umkämpft. Nach paschtunischen Angaben habe es schwere Gefechte gegeben, denen heftige US-Bombardements vorausgegangen seien. 04. bis 05. Dezember 2001
Erfolge zeichnen sich zumindest auf diplomatischer Ebene ab: Auf dem Petersberg in Königswinter bei Bonn konnten sich die verschiendenen Volksgruppen auf eine Übergangsregierung einigen: Künftiger Ministerpräsident Afghanistans soll demnach der Paschtunenführer Hamid Karzai werden, die Vereinbarung solle zum 22.12 in Kraft treten, d.h. ab diesem Zeitpunkt wäre die Übergangsregierung für Afghanistan verantwortlich.
Die Kämpfe um die letzte Taliban-Hochburg Kandahar halten währenddessen an, auch wenn amerikanische Militärs sich nun verstärkt um die Suche nach dem vermutlichen Terroristen Ossama bin Laden bemühen und Kampfflugzeuge zu diesem Zweck vermutliche al-Qaida-Stützpunkte bombardierten. 06. bis 10. Dezember 2001
Die Taliban um Mullah Omar in der eingekesselten Stadt Kandahar sind nun offenbar doch zur Aufgabe der Stadt bereit. Sie entsandten eine Delegation zum künftigen Chef der afghanischen Übergangsregierung Hamid Karzai. Dieser wurde aber bei einem Angriff einer 900kg Bombe, die ein amerikanische Bomber des Typs B52 fehlleitete, verletzt. Anti-Taliban-Kämpfer sind unterdessen auch weiterhin in Tora Bora, einer gebirgsähnlichen Festung, aktiv, die als ein mutmassliches Versteck Ossam bin Ladens gilt. Nach Angaben der Organisation «Ärzte ohne Grenzen» wurden dabei bereits mindestens 80 Personen getötet und 50 weitere bei den mehrtägigen Angriffen verletzt.
Kampfflugzeuge bombardierten das ganze Wochenende hinweg und zu Wochenbeginn unablässig die ostafghanischen Bergfestung Tora Bora und somit den vermeintlichen Rückzugsraum Mollah Omars und Ossama bin Ladens.
13. Dezember 2001
Die Vereinigten Staaten veröffentlichten am 13.12 ein Video, das u.a. Ossama bin Laden zeigt, indem dieser die Anschläge vom September indirekt eingesteht. Das Band, wohl allein schon bedingt durch die schlechte Ton- und Bildqualität nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, dokumentiert die Zusammenkunft mit saudischen Mitstreitern.Bin Laden äußerst sich hinsichtlich der Attentate u.a., dass er selbst auf Grund seiner Erfahrung zwar mit einer größeren Auswirkung des Anschlages gerechnet habe, er aber dennoch überrascht gewesen sei, als er von den tatsächlichen Ausmaßen des Angriffes erfahren habe. 16. bis 19. Dezember 2001
Trotz aller Berichte, dass die afghanische Bergfestung Tora Bora, einer der letzten Rückzugsräume der Taliban, durch Anti-Taliban-Truppen eingenommen worden sei wurden die amerikanischen Angriffe auf das Höhlensystem auch am Montagmorgen fortgesetzt. 20. Dezember 2001
Einer internationalen Schutztruppe, die von Großbritannien geführt werden soll, scheint nun nichts mehr im Wege zu stehen. Die fünf ständigen Mitglieder des Weltsicherheitsrates - USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich - einigten sich am Mittwoch auf die Grundzüge einer entsprechenden Resolution, die heute noch verabschiedet werden soll.
Übersetzungsfehler beim sog. «Bin-Laden-Geständnis» weist das ARD-Politmagazin Monitor in der heutigen Ausgabe (20.12) nach. Das Amateur-Video, das Bin Laden im Kreis von Gefolgsleuten zeigt, wurde vom US-amerikanischen Präsidenten George W.Bush vor wenigen Tagen als «vernichtendes Schuldeingeständnis» Bin Ladens bezeichnet und zur weltweiten Verbreitung freigegeben. Der Hamburger Orientalist Professor Gernot Rotter sowie zwei unabhängige, vereidigte Übersetzer stellen laut Monitor übereinstimmend fest: in der vom Pentagon herausgegebenen englischen Übersetzung des sog. «Geständnisses» sind an gravierenden Stellen Bezüge hineinformuliert, aus denen eine eindeutige Täterschaft Bin Ladens abgeleitet werden soll. So werden Zeitbezüge behauptet, die angeblich sein Vorwissen belegen, in der arabischen Originalversion aber nicht auftauchen. Die Monitor-Recherchen stellen
die Beweiskraft der vom Pentagon verbreiteten und von den meisten westlichen Medien übernommenen Version in Frage: «Die amerikanischen Übersetzer, die die Bänder abgehört haben und transkribiert haben, haben offensichtlich an vielen Stellen Dinge hineingeschrieben, die sie hören wollten, die aber so - auch nach mehrmaligem Anhören - nicht zu hören sind,» so Professor Rotter (Quelle: Pressemitteilung Westdeutscher Rundfunk). |