| Anfang der siebziger Jahre erlebte Marokko eine seiner tiefsten Krisen, die 1971 und 1972 in zwei gescheiterten Militärputschen ihren Ausdruck fanden. Zur Stabilisierung seiner Macht führte Hassan II. 1972 eine - zuletzt 1980 geänderte - neue Verfassung ein und verstaatlichte ausländisches Eigentum. Zu Beginn der neunziger Jahre fand eine sehr kritische innenpolitische Debatte um die Einhaltung der Menschenrechte statt, die im Mai 1990 die Gründung eines entsprechenden Konsultativrates erreichte. Das moderne Marokko von heute ist eine konstitutionelle Monarchie, in der der König mit weitreichenden Rechten ausgestattet ist. So z.B. ernennt er den Ministerpräsidenten
und die Minister, leitet den Ministerrat und verkündet Gesetze. Seine Rechte reichen bis hin zur Parlamentsauflösung und Verhängung des Ausnahmezustands. Eine weitere Säule ist das Repräsentantenhaus (zwei Drittel direkt, ein Drittel indirekt für sechs Jahre gewählt): Es bestimmt das Investitionsbudget mit, verabschiedet den Haushalt und kann durch Annahme eines Misstrauensantrages die Regierung zum Rücktritt zwingen. In den 37 Provinzen und 8 Stadtpräfekturen werden staatliche Vertreter indirekt durch die Abgeordneten der Kommunalversammlung gewählt. Die Judikative wird über ein Gerichtssystem realisiert, an dessen oberster Stelle der Oberste Gerichtshof steht, der für eine einheitliche Rechtssprechung (auch durch die Annahme von Revisionsanträgen) verantwortlich ist. Marokko gilt zwar als Entwicklungsland, doch zugleich verfügt es - neben einem traditionell starken Agrarsektor - über eine stark fortschreitende Industrialisierung und einen bedeutenden Bergbau. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Straßennetz modernen Erfordernissen angepasst, es stehen heute rund 1.800 km Eisenbahnstrecke und fast 30.000 km ganzjährige befahrbare Straßen zur Verfügung. |