| Mehmet Uzun hat den ersten Grundstein des zukünftigen kurdischen Romans und seiner Sprache gelegt. - Yasar Kemal.
Mehmed Uzun's - in seiner Muttersprache, dem Kurdischen - verfasster Roman schildert anhand des Leben seines Helden Memduh Selim die Zerrissenheit des kurdischen Volkes bis hin zur Selbstaufgabe der eigenen Person. Das historische Vorbild des kurdischen Intellektuellen Memduh Selims wurde Ende des 19. Jahrhunderts im Südosten Anatoliens geboren, wo er seine Kindheit verbrachte bevor er nach Istanbul ging um auf Türkisch Philologie und Politikwissenschaften studierte, einen kurdischen Studentenverein gründete und als Redakteur für die kurdische Zeitschrift "Jin" 1918/19 arbeitete. Uzun beschreibt den langen Weg Selims in das Exil: Alexandria, Kairo, Aleppo und schließlich Antakiya - in den zwanziger Jahren Teil des
französischen Mandatsgebietes über Syrien. Trotz dem Verbot politischer Betätigung engagiert er sich und wird rasch eine der wichtigsten Persönlichkeiten unter den Exilkurden. Seine Liebe zu Feriha, Tochter einer nach Syrien versprengten tscherkessischen Familie, die eine tragende Säule in seinem Leben darstellt und von der er sich einen Hort des Glücks verspricht, wird letztlich durch seine Aufopferung für die kurdische Sache unmöglich: Politisches und persönliches (Lebens-) Schicksal kommen zusammen, sein privates Glück und sein politisches Engagement im Exil waren offenbar unvereinbar. Mehmet Uzuns Roman lebt von der leidenschaftlichen Sehnsucht die Kurden, wie er es selbst einmal in einem Interview formulierte, "zu einem von der Welt untrennbaren Teil zumachen", was ihm nicht nur durch
diesen Roman, sondern auch durch seine "Einführung in die kurdische Literatur. Eine Studie." (Ararat Publikation, St. Gallen 1994) gelungen ist. Mehmed Uzun: Im Schatten der verlorenen Liebe.
Aus dem Kurdischen von Hüseyin Dozen und Andreas Grenda.
Mit einem Vorwort von Yasar Kemal.
Kl. 8°. 222 S., Pp. Unionsverlag, Zürich 1998. |