| Ibrahim Souss Roman ist der Versuch die palästinensische Tragödie im 20. Jahrhundert in einem politischen Roman darzustellen und für das westliche Publikum begreifbar zu machen.
Die dramatische Liebesgeschichte zweier Menschen im Schatten von Krieg und Politik ist zugleich der zweigeteilte Handlungsstrang dieses Romans. Beginnend mit der Flucht vor den Nationalsozialisten nach Palästina 1934 baut Souss die Geschichte der Liebe zwischen der Jüdin Salome und dem Palästinenser Bahgat auf. Eine Geschichte, die durch ihre äußeren Faktoren, wie der Entstehung des Staates Israel, dem Tod Baghats Vaters durch die britische Mandatsmacht bei einer Demonstration, bestimmt wird und ihre Parallelen im Leben Bahgats, der für etliche Jahre nach Deutschland auswandert um dort sein Glück zu suchen, und dem Salomes findet. Auch durch die Biographie ihrer eigenen Kinder - Salomes Sohn ist Offizier der
israelischen Armee während der Intifada - ergeben sich weitere Parallelen zur eigenen Geschichte, die schließlich - im Israel Perez und Rabin's - ihren traurigen und dramatischen Höhepunkt findet: Salome und Baghat sehen sich wieder. Doch der Hass im Herzen ihrer Kinder lässt keinen Frieden zu: Nichtahnend, dass sie Halbbrüder sind, stehen sie sich mit der Waffe in der Hand als Feinde gegenüber. Die Ambition des Autors, der lange Jahre Abgeordneter der PLO und als palästinensischer Botschafter in Frankreich tätig war, in einen Roman von 170 Seiten den gesamten Leidensweg von Palästinensern und Israelis, Arabern und Juden zu legen ist meines Erachtens gescheitert. Zugleich ist es aber ein Buch, das an vielen Stellen die Problematik, besonders die Tätigkeit Bahgat für den palästinensischen Widerstand in Deutschland, in einer so beklemmenden Art und Weise
darstellt, dass es ganz sicher seinen Platz bei jedem finden wird, der sich mit der Thematik auseinandersetzen möchte. Ibrahim Souss: Die Rückkehr der Schwalben.
Aus dem Französischen von Sigrid Köppen.
8°. 173 S., Geb. Artemis & Winkler, Düsseldorf/Zürich 1999. |