| Zentralanatolien war von 1700 bis 1200 vor Christus Machtzentrum der Hethiter, ein faszinierendes Großreich und zugleich ein moderner Staat - der urplötzlich wieder von der Weltbühne verschwand.
Das Volk der Hethiter gehört auch heute noch zu den letzten Rätseln moderner Archäologie. Ein Durchweg auf Regeln der Neuzeit basierendes Großreich, das über die erste schriftliche Verfassung verfügte, die im übrigen heute bei den Vereinten Nationen in New York zu bewundern ist, die Gleichberechtigung von Mann und Frau, ein hochentwickeltes Justizwesen und eine tolerante Staatsreligion, die alle Götter zuließ, sind die wesentlichsten Kennzeichen. Selbst gegenüber Fremden, die in das Großreich eindringen, bemüht man sich um Toleranz sowie um die Einheit und den Zusammenhalt des monarchischen Feudalstaates, auch wenn die Ausdehnung des eigenen Staates recht rücksichtslos verfolgt wurde: Städte, die Widerstand leisteten wurden zerstört und alle Reichtümer einschließlich der Götterstatuen nach Hattusa verbracht
und 1531, quais im Handstreich, gar das altbabylonische Reich zu Fall gebracht. Und doch verschwanden die Hethiter urplötzlich. Birgit Brandau und Hartmut Schickert gehen diesen Phänomenen nach und lassen - ausgehend von den ersten archäologischen Grabungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts - mit ihrer quellennahen und allgemein verständlichen Studie ein Panorama einer hochentwickelten Gesellschaft entstehen, das sich auf neuste Forschungsergebnisse stützt und auch parallele historische Entwicklungen einbezieht. Die gezielte Lektüre erlaubt der zweigeteilte Aufbau, der einer chronologischen und einer strukturellen Linie folgt. Abgerundet wird der Band mit vergleichenden Zeittafeln und zahlreichen farbigen Abbildungen hethitischer Bauwerke und Kunstgegenstände. Birgit Brandau, Hartmut Schickert: Hethiter.
Die unbekannte Weltmacht.
8°. 352 S., 16 S. Farbbildteil. Geb.
Piper, München 2001. |