| Das Völkerkundemuseum der Universität Zürich zeigt aus seiner eigenen bedeutenden Afrika-Sammlung rund 140 herausragende Kunstwerke aus West-, Zentral- und Südafrika, die bisher entweder noch nie oder zumindest seit langer Zeit nicht mehr ausgestellt wurden.
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| Maske «dyoboli koun» der Marka/Soninke, Mali. |
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Dabei wurde der Versuch unternommen die präsentierten Kunstwerke thematisch zu ordnen und ihnen sechs begriffliche Gegensatzpaare zuzuordnen und dabei kunstethnologisch in ihrer Gesamtheit zu interpretieren, wobei Bedeutung und Funktion der Objekte eindeutig im Vordergrund stehen. Als gelungen und somit als schön galt ein Kunstwerk insbesondere immer dann, wenn sich die Umsetzung formaler Prinzipien wiederfanden, die einen gewissen Positivismus, wie Harmonie oder Ausgeglichenheit, transportierten und dabei natürlich auch das künstlerische Können des Schaffenden dokumentieren. Letzteres zeigt sich beispielsweise in der detailreichen Ausarbeitung von Masken, wobei besonders auf stark symbolgeladenen Teile wie Frisuren und Hautritzungen geachtet wurde. Im scheinbar krassen Widerspruch hierzu zählen
Kunstwerke, die diese Kriterien bewußt umkehrten. Diese dienten unterschiedlichen Zwecken - von Morallehre bis zur Nutzung des Negativen. Die herrschende Gesellschaftsordnung fand in Ghana wie nirgendwo sonst ihren deutlichen Einzug in die Ausformung von Kunstobjekten, was bis hin zur Aufforderung zu normkonformem Sozialverhalten gehen konnte. Jedoch sollte dabei grundsätzlich nicht außer acht gelassen werden, dass in Kunstwerken jeder Gesellschaft oft gerade auch soziale Unterschiede zum Ausdruck kommen. Beachtenswert ist, dass diese Objekte sich- im Gegensatz zu oben erwähnten Masken - sowohl inhaltlich als auch in ihrer Machart von denen der hohen Kunst in ihrer Ausformung unterscheiden, denn sie sind vergleichsweise roh gearbeitet und von geringer Qualität.
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| Figur «akuaba» der Akan/Bono, Ghana. |
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Ein weiteres wesentliches Element in der afrikanischen Kunst waren aber auch die verwendeten Materialien, schließlich wurden bestimmten Materialien Kräfte und Energien, zum Wohle oder Nachteil der Menschen, zugewiesen. In Afrika wurde, wie eigentlich überall auf der Welt, Überfluss mit Freude hingenommen. Überfluss schuf darüber hinaus aber auch günstige Vorbedingungen für die Kunst: Er ermöglichte es, Werke zu realisieren, deren Herstellung aufwendig und mit hohen Kosten verbunden waren, sowie Feste zu feiern, die oft Anlass zur Präsentation von Kunstwerken boten. Inbesondere unternahm man alle Anstrengungen um landwirtschaftliche Erträge rituell zu mehren, um so Knappheit und Not vorzubeugen. Ähnliche Massnahmen zielten darüber hinaus auf die Förderung
der menschlichen Fruchtbarkeit ab. schließlich waren Nachkommen die Versicherung für das Alter und garantierten den eigenen sozialen Fortbestand. Es überrascht somit nicht, dass beide Motive mit im Zentrum des künstlerischen Schaffens standen. Bei den Akan in Ghana wurde beispielsweise versucht, Kinderlosigkeit mittels sogenannter «akuaba»-Statuetten zu verhindern. Leben und Tod - Diesseits und Jenseits sind wie in vielen Teilen der Erde in der Vorstellung aller afrikanischer Gesellschaften miteinander verzahnt. Brauchten die Lebenden den rituellen Beistand der Verstorbenen so sind diese auf rituellen Zuwendungen und Opfergaben der Lebenden angewiesen. So wurden bei kultischen Handlungen z.B. Masken verwendet, die einen zurückgekehrten Geist verkörpern sollten, sogenannte Wächterfiguren hatten die Aufgabe die Ahnenreliquien zu bewachen. Eine faszinierende Ausstellung, die mit ihrem hier nur angerissenen thematischen Aufbau neue Wege geht! Miklós Szalay (Hrsg.): Schön/Hässlich. Gegensätze. Afrikanische Kunst aus der Sammlung des Völkerkundemuseums der Universität Zürich.
4°. 168 S., 138 Tafeln, 37 Abb. Camille-Graeser-Stiftung.
Offizin Verlag, Zürich 2001. » bei Amazon.de bestellen |