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Orient - Traum und Wirklichkeit. Lehnert & Landrock 1904 - 1930

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FRÜHE FOTOGRAFIE IM NAHEN OSTEN (1840 - 1940)

Der europäische Blick auf den Orient im Spiegel früher Fotografien

Die Ausstellung zeigt eindringlich, dass dem neutralen Medium der Fotografie nicht eine rein dokumentarische Funktion zukommt, sondern dieses vielmehr statt der realen Wirklichkeit die fiktive des Fotografen darstellt.

Maxime du Camp: Die Reise zum Nil 1849-1850. Maxime du Camp und Gustave Flaubert in Ägypten.

Maxime du Camp: Die Reise zum Nil 1849-1850.

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Die Ausstellung im Fogg Art Museum Harvard geht der Frage nach wie Fotografen und deren Publikum in der frühen Zeit der Fotografie den Nahen Osten wahrnehmen. Gerade für den damaligen Betrachter sind diese erste "authentische" Zeugnisse, schließlich nährte sich das Bild des europäischen Publikums bisher aus der Religionswissenschaft, Literatur und der Malerei. Doch eben diese dokumentarischen Abbildungen einer anderen Kultur sind auch ein Produkt des Kolonialismus und dienen der Unterstützung der damaligen Geringschätzung der arabisch-islamischen Kultur.

Beispielhaft wird dies in den Fotografien von Maxime Du Camp, der 1852 seinen Band "Le Nil, Egypt et Nubie" veröffentlichte, der das Ergebnis seiner gemeinsam mit Gustave Flaubert unternommenen Reise präsentiert. Seine z.T. menschenleeren Aufnahmen der Monumente zeigen deutlich, dass die Überreste großartiger Kulturen wohl gesehen werden, nicht aber die einheimische Bevölkerung, die intellektuell und materiell veramt im Schatten eben dieser Monumente steht.

Mit der Eröffnung des Suez-Kanals 1869 rückte der Nahe Osten verstärkt in das Zentrum europäischer politischer und ökonomischer Interessen, so dass Du Camp schon rasch eine wahre Heerschar an Fotografen folgt und mit dem gleichzeitig einsetzenden Schiffs- und Eisenbahnbau erlebt die Tourismusbranche einen ersten Höhepunkt.

Der Überlegenheitsgestus ändert sich in den hundert Jahren nur sehr wenig. Kommerzielle Fotostudios wie Bonfils, Sébah & Joillar oder Lehnert & Landrock zielen bewusst darauf das "Typische" abzubilden - oder besser das was sie für typisch halten.

Bild um Bild entlarvt Jülide Aker, Kurator der Ausstellung, westliche Sichtweisen und belegt somit eindrucksvoll die von Edward W. Said in seinem Buch "Orientalism" aufgestellt These, dass Europa zwar den Osten als Wiege der Menschheit anerkennt, jedoch gleichzeitig versucht ihn zu beherrschen. - Beeindruckende Dokumente der frühen Fotografie im Zeitalter des Kolonialismus.

Informationen, Reise- und Buchtipps zur arabischen Welt von Magreb über Maschreq bis an den Persischen Golf
Länderlexikon
Termine

Fogg Art Museum
Cambridge/MA
bis 22. April 2001

artmuseums.
harvard.edu/
zur Homepage der Ausstellung
Buchtipp

Maxime du Camp: Die Reise zum Nil 1849-1850. Maxime du Camp und Gustave Flaubert in Ägypten.
Gr. 8°. 225 S., 125 z.T. ganzs. Abb., Geb. Steidl Vlg., Göttingen 1987.

Der Band zeigt jetzt erstmals alle 125 Fotografien vom legendären Ägypten-
Aufenthalt den Jahren 1849/50. Die Salzpapier-
Aufnahmen, sind nicht nur Fossilien der Technik, sondern zugleich beeindruckende historische Dokumente.

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Historische Fotografien - z.B. von Bonfils

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