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JÜDISCHE KUNST UND KULTUR

Das Jüdische Museum in Berlin

Neben der Gedenkstätte "Topographie des Terror" und dem zukünftigen Holocaust-Mahnmal am Berliner Platz wird das Jüdische Museum in Berlin am nachdrücklichsten an die Menschen jüdischen Glaubens erinnern, die während des Dritten Reiches von Hitler und seinen willfährigen Vasallen ermordet wurden.

Der Bau des Architekten Libeskind - Schon vor der Eröffnung Publikumsmagnet.
© Jüdisches Museum Berlin

Der Bau des Architekten Libeskind - Schon vor der Eröffnung Publikumsmagnet.

Von David Libeskind genau dort erbaut, wo die Täter ihre Machtzentrale hatten und den Holocaust planten, sollen zwei Jahrtausende deutsch-jüdischer Geschichte in einer faszinierenden Architektur und in bemerkenswerten Ausstellungen dargestellt werden. (...) Dokumentiert wird diese gemeinsame Geschichte mit Materialien, Kunstwerken und Alltagsgegenständen aus allen Epochen: Familienfotos, religiösen Kultobjekten, Fotografien, Grafiken, Skulpturen, Architekturmodellen Postkarten, Möbeln, wertvollen Büchern, Handschriften, Porträts Ansichten von Synagogen etc.

Im Informationszentrum werden weitere Erklärungen und Übersichten über jüdische Institutionen und Ereignisse gegeben. Nicht "die Geschichte als Statistik der sechs Millionen von den Nazis ermordeten Juden soll hier erzählt werden, sondern die Geschichte von einem einzigen, einzigartigen Individuum, sechsmillionenmal multipliziert", so Architekt David Libeskind in seiner Rede zur Fertigstellung des Museumsbaus am 23. Januar 1999.

Projektdirektor Ken Korby ist überzeugt: "Wir werden Schlagzeilen machen!" (Die Welt, 8.8.2001) Anfang 2000 hatte Museumsdirektor Michael Blumenthal den nichtjüdischen Anthropologen aus Neuseeland mit der Aufgabe betraut die Dauerausstellung einzurichten. Geschult am neuseeländischen Nationalmuseum Te Papa, Das Gorby 13 Jahre lang in Wellington geleitet hatte und zu internationalem Erfolg brachte, setzte er, fasziniert von der Aufgabe, deutsch-jüdische Geschichte in einem Museum darzustellen, auch in Berlin modernste Medientechnik ein. "In Te Papa arbeitete ich multimedial, um zu unterhalten, hier in Berlin tue ich dasselbe, um eine Botschaft zu übermitteln. Mit Disney hat das nichts zu tun."

Multimedialer Ausstellungsaufbau - Nicht zur Unterhaltung, sondern zur Vermittlung einer Botschaft.
© Jüdisches Museum Berlin

Multimedialer Ausstellungsaufbau - Nicht zur Unterhaltung, sondern zur Vermittlung einer Botschaft.

Die Idee zur Neugründung eines Berliner Jüdischen Museums wurde 1971 erstmals laut, als die Jüdische Gemeinde den 300. Jahrestag ihrer Gründung feierte. Damals kam der Wunsch auf, am das 1933 eröffnete Jüdische Museum in der Oranienburger Allee, das 1938 von der Gestapo geschlossen worden war, anzuknüpfen. 1975 gründete sich der Förderverein "Gesellschaft für ein Jüdisches Museum in Berlin e.V.", 1983 folgten erste Ausstellungen über jüdische Synagogen und jüdische Kultur im Martin-Gropius-Bau. 1988 wurde ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben, um die Jüdische Abteilung des Berlin Museums zu erweitern. Ihn gewann der amerikanische Architekt Daniel Libeskind. 1996 war der Neubau fertig, nachdem im Dezember 1997 Michael Blumenthal zum Direktor berufen worden war.

Libeskind und Blumenthal: Sie sind für das neue Leben in der Berliner Museumslandschaft verantwortlich. Libeskind mit seiner ungewöhnlichen Architektur, Blumenthal mit seinen engagierten Plänen, seiner Fähigkeit zu überzeugen und seiner Durchsetzungskraft.

Der amerikanische Architekt Daniel Libeskind gehört zu den international renommiertesten Vertretern seiner Zunft. Seine Vita prädestinierte ihn als Erbauer des Jüdischen Museums. 1946 im polnischen Lodz geboren, wanderte seine Familie über Israel 1960 in die USA aus. Nach Jahren als Dekan des Departement of Architecture der Cranbrook Academy of Art in Bloomfield Hill (Michigan), lehrte Libeskind an zahlreichen Hochschulen in den USA und in Europa. Seit 1990 arbeitet der mehrfach preisgekrönte Architekt in Berlin (....).

Michael Blumenthal hat, bevor er in Berlin Museumsleiter wurde, als Wirtschaftsprofessor, Politiker, Manager und Autor bereits eine vielseitige und ungewöhnliche Karriere gemacht. 1926 in Oranienburg bei Berlin geboren wurde sein Vater in der "Reichskristallnacht" nach Buchwald verschleppt und dort misshandelt. Nach seiner Freilassung flüchtete die Familie 1939 nach Shanghai, wo sie lebte, bevor sie 1947 in die USA auswanderte. Dort studierte der Sohn und wurde Wirtschaftsprofessor an der renommierten Princeton Universität. In den 60er Jahren wechselte er in die Politik, wurde Berater der Präsidenten Kennedy und Johnson und 1977 Finanzminister im Kabinett von Jimmy Carter. Danach recherchierte er für sein 1998 erschienenes Buch "Die unsichtbare Mauer. Die dreihundertjährige Geschichte einer deutsch-jüdischen Familie" die Lebensläufe seiner Vorfahren und spürte der Frage nach, wie es zum Holocaust kommen konnte.

Als Direktor des Jüdischen Museums will Blumenthal vor allem deutlich machen, dass sich zwei Jahrtausende deutsch-jüdischer Geschichte nicht nur auf den Holocaust reduzieren lassen.

Ausstellungsräume des neuen Jüdischen Museums in Berlin.
© Jüdisches Museum Berlin

Ausstellungsräume des neuen Jüdischen Museums in Berlin.

Schon vor seiner Eröffnung als Museum war der Libeskind-Bau dank seiner spektakulären Bauweise ein Publikumsmagnet. Mehr als 250.000 Menschen besichtigten das mit Zink verkleidete, noch leere Museum und zeigten sich tiefbeeindruckt von seiner irrationalen Matrix, die sich in Beziehung zu einem geborstenen Davidstern setzten lässt und damit auf jenen gelben Stern verweist, der die Juden unter Hitler in Deutschland tragen mussten.

Bedrückend ist für die meisten Besucher der Aufenthalt im 27 Meter hohen, spitzwinkligen Holocaust-Turm aus rohem Beton, der im Winter unbeheizt und im Sommer unbelüftet bleibt. In seinen obersten Bereich fällt ein schwaches, indirektes Licht, das scheinbar aus dem Nichts kommt. "Im Raum schwingt das Brummen der Stadt. Dieser Turm ist ein Ort, der als Ende erfahren werden muss, das für immer ein Ende bleibt. Denn sie werden nie zurückkommen ..." (Libeskind).
Dieser Turm wird leer bleiben, während die anderen Räumlichkeiten des Museums - von Betonwänden mit fensterähnlichen Schlitzen radikal zerschnitten, über ansteigende und abfallende Gänge zickzackartig verbunden - für Ausstellungen genutzt werden.

Libeskind: "Dieses Museum macht es möglich, dass die Vergangenheit im Licht der Zukunft und die Zukunft im Licht der Vergangenheit ausgestellt wird. Denn das Jüdische Museum steht für die Spannungen und Anstrengungen, nicht nur die Einsteins, die Liebermanns, die Schönbergs, die Benjamins zu würdigen, sondern auch alle namenlosen jüdischen Berliner, die untrennbar mit der Stadt verbunden sind." Also wird an diesem Standort, wo sich früher die Machtzentrale der Nazis befand, nicht nur die Vergangenheit gewürdigt, sondern eine neue Zukunft jüdischen Lebens in Deutschland entgegengearbeitet.

© Copyright mit freundlicher Genehmigung Arte TV.
Quelle: Arte TV Magazin September 2001, S. 8f.

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Jüdisches Museum Berlin
Lindenstraße 9-14,
10969 Berlin
Info: (030) 308785-681

Öffnungszeiten:
täglich 10:00 bis 20:00 Uhr
geschlossen:
24. Dezember
Rosch ha-Schana (07. u. 08. September 2002),
Jom Kippur (16. September 2002)

Buchtipp

Bernhard Schneider: Daniel Libeskind. Jüdisches Museum Berlin.
8°. 64 S. Prestel, München 1999.

Bernhard Schneider: Daniel Libeskind. Jüdisches Museum Berlin.

Kaum ein anderes zeitge-
nössisches Bauwerk steht so im Brennpunkt der öffentlichen Diskussion wie das Jüdische Museum in Berlin. Seine historische und gesellschaftliche Bedeutung reicht weit über die Hauptstadt hinaus. Der Bau von Daniel Libeskind mit einem Grundriss, der an einen zuckenden Blitz erinnert, wird diesem Sonderstatus gerecht - er stellt unsere gewohnten Erwartungen an Architektur in Frage. Der Band führt in einem gut verständlichen Text und zahlreichen Abbildungen durch das Gebäude: Architektur, Symbolik und gedanklicher Hintergrund werden hierbei erläutert.

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