| Im Zentrum der Ausstellung im Rautenstrauch-Joest-Museum für Völkerkunde steht der Diplomat, Forscher, Archäologe und Sammler Max von Oppenheim (1860 - 1946) dessen Leben ganz von der Faszination des Orients geprägt war. Zahlreiche der verlorengeglaubten und erst nach der deutschen Wiedervereinigung entdeckten Schätze seiner umfangreichen Sammlung sind in Köln erstmals zu sehen.
Max von Oppernheim lernte den Nahen Osten während seines Wirkens als Diplomat am kaiserlichen Generalkonsulat von 1886 bis 1909 kennen - zu einer Zeit in der die Region sich in einen politisch sehr unruhigen Raum verwandelte. Neben seiner diplomatischen Tätigkeit galt sein Interesse als Forscher ganz den Beduinen des Vorderen Orients, deren gesellschaftliche Strukturen und ihre genealogischen Zusammenhänge er - nichts zuletzt dank seiner hervorragenden Arabischkenntnisse - erforschte und in einem heute noch gültigen vierbändigen Werk publizierte. Archäologe wurde Max von Oppenheim dagegen eher durch einen bloßen Zufall, als er, während einer Erkundungsreise im Rahmen der Streckenplanung der Baghdad-Bahn, in Syrien den hethitischen Siedlungshügel Tell Halaf entdeckte. In zahlreichen privaten Grabungskampagnen - erschwert durch die politischen Wirren, durch den Zusammenbruch des Osmanischen Reiches, förderte er umfangreiche Zeugnisse einer bis dato unbekannten prähistorischen Kultur zu Tage, die er in Berlin in seinem 1930 eigens gegründeten Tell Halaf-Museum zusammenführte. Diese Schätze sind seit dieser Zeit erstmals wieder in einer Ausstellung zu sehen, nachdem man bisher glaubte die archäologische Sammlung sei während des Zweiten Weltkriegs untergegangen und diese erst nach der Wiedervereinigung in den Depots des Vorderasiatischen Museums in Berlin (Ost) wiederentdeckte. Besonders präsent ist Max von Oppenheim in der Ausstellung aber gerade auch als Sammler islamischer Kunst. Eine umfangreiche Fotosammlung aus den zwanziger Jahren dokumentiert das "orientalischen Ambiente" und erlaubt dem Besucher die Objekte der Ausstellung neu zu entdecken. Zu bewundern ist dabei ein breites Spektrum an Kunstgegenständen, angefangen von reich dekorierten seldschukischen, mamlukischen, kadscharischen und osmanischen Metallarbeiten über wissenschaftliche Messinstrumente, Bücher und Schreibinstrumenten bis hinzu Waffen und prächtigen Textilien. Abgerundet wird die Ausstellung durch einen repräsentativ getäfelten Empfangsraum eines aus Kayseri (heutige Türkei) stammenden reichen Kaufmanns, indem u.a. zahlreiche die Schau begleitende Veranstaltungen stattfinden werden. Gabriele Teichmann und Gisela Völger (Hrsg.): Faszination Orient.
Max von Oppenheim - Forscher, Sammler, Diplomat.
4°. 320 S., 190 farb. z.T. ganzs. Abb. Geb. DuMont, Köln 2001.
Archäologische Spurensuche bedeutet: vergangene Kulturleben erinnern und die Erfahrung des Fremden in die eigene Wertewelt hineinwirken lassen. Max von Oppenheim, der als Forscher und Sammler in Ägypten, Syrien und der Türkei wirkte, hat sein Leben nach dieser Maxime ausgerichtet. 1860 geboren, entschied sich der Sohn einer alteingesessenen Kölner Bankiersfamilie nach erfolgreichem Jurastudium für die Erforschung des Orients. Seine archäologischen Entdeckungen und Grabungen im syrischen Tell Halaf, die er selbst meisterhaft mit der Plattenkamera dokumentierte, seine schriftstellerischen Arbeiten und seine kostbaren Sammlungen, mit denen er 1930 ein Privatmuseum in Berlin-Charlottenburg begründete, machten ihn weltweit berühmt. Nach der Vernichtung seiner über 40.000 Bände umfassenden Bibliothek und großer Sammlungsbestände im Zweiten
Weltkrieg galten die ausgelagerten und später in Ost und West verstreuten Teile der Sammlung als verloren. Im Auftrag der Max Freiherr von Oppenheim-Stiftung zu Köln rekonstruieren Wissenschaftler der verschiedensten Institutionen in diesem Buch das Leben und das Lebenswerk des 1946 verstorbenen großen Forscher. Zahlreiche Fotodokumente des Forschers Max von Oppenheim zeigen in eindrucksvoller Weise die exotische Lebenswelt des Orients und die Methodik archäologischer Ausgrabungen, wie sie um die Jahrhundertwende betrieben wurde. Gabriele Teichmann studierte Geschichte, Anglistik und Philosophie in Bonn und Edinburgh. Seit 1990 leitet sie das Archiv der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim jr.&Cie., das auch den schriftlichen Nachlass und die Fotosammlung Max von Oppenheims beherbergt. Sie hat zahl- reiche
Publikationen zur Geschichte der Bank verfasst. Gisela Völger studierte Ethnologie, Vorgeschichte und physische Anthropologie in Frankfurt, Heidelberg und Mainz. Die Honorarprofessorin an der Universität Köln leitete von 1979 bis 2000 das Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum mit den ethnologischen und kunsthistorischen islamischen Sammlungen Max von Oppenheims als Dauerleihgabe. » bei Amazon.de bestellen » Bildergalerie » Buchtipp |