| Was haben Dagobert Duck, der Regisseur Martin Scorsese, der Schauspieler Brad Pitt, der Maler Nicolas Roerich gemeinsam? Sie alle sind an Tibet interessiert - jeder auf seine eigene Weise.
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| Aus dem Comic Bugs Bunnys Dangerous Venture, 1946. |
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Seit beinahe 400 Jahren ist Tibet Ziel einer westlichen Pilgerschaft, die anfangs vor allem aus Missionaren bestand - die ersten, zum Teil phantastischen Berichte stammen aus ihren Händen. Mit der Zeit gesellten sich Forscher, politische Beamte, Spione, Reiseschriftsteller wie Alexandra David-Neel, Esoteriker und Abenteurer dazu. Einige versuchten, ein möglichst objektives Bild zu zeichnen, andere konstruierten ein Tibet, das auf persönlichen Sehnsüchten, Hoffnungen und Träumen beruhte - viele von ihnen reisten auch gar nicht wirklich hin, sondern "erfanden" ein eigenes Tibet. Die Ausstellung zeigt nicht nur die gemeinsamen Grundzüge sowie die Entwicklung dieser Tibet-Bilder von den Anfängen bis in die Gegenwart, sondern sie fragt auch nach den "Schöpfern" dieses Paradieses, ihren
Motivationen und weshalb gerade Tibet als Land der Träume und Sehnsüchte gilt.
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| Das irgendwo in Tibet vermutete Paradies Shangri-La. |
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Es geht also nicht um eine objektive Darstellung und Auseinandersetzung mit der Geschichte, Gesellschaft und Kultur des historischen oder modernen Tibets, sondern ausschließlich um die Wahrnehmung Tibets aus westlicher Perspektive: Tibet als Bühne eines Schauspiels mit tibetischen Requisiten wie Landschaft, Klöstern und Lamas - gespielt und geschrieben von westlichen Schauspielern und Autoren. Die Frage, ob eine solche Ausstellung Tibet nicht mehr Schaden zufüge als Nutzen bringe, wird durch die Ausstellungsmacher mit einem klaren Nein beantwortet, denn die Tibet-Zerrbilder haben mit der kommerziellen Ausbeutung ein solches Ausmaß angenommen, dass sie nicht länger verschwiegen werden dürfen, so die Ausstellungsmacher, die sich bewusst sind, dass sie mit diesem Thema viele Emotionen
auslösen: auf der westlichen Seite, weil sie Traumwelten zerstören, auf tibetischer Seite, weil viele Tibeter keine Kenntnis dieser westlichen Trug- und Zerrbilder haben. Ziel der Ausstellung ist, die Traumwelt zu erkennen und abzubauen, damit Tibet nicht länger eine unbewusste Projektionsfläche bleiben muss und in romantischen und verherrlichenden Bildern erstarrt. Erst wenn die Trugbilder entlarvt sind, lässt sich die politische und religiöse Geschichte Tibets kritisch betrachten und aufarbeiten.
Im Westen bildeten sich um Tibet und seine Bewohner über Jahrhunderte hin fantastische Legenden, die bis in die heutige Zeit nachwirken und durch neue Mythen weiter ausgeschmückt werden. Martin Brauen deckt im Begleitbuch zur Ausstellung diese utopischen Vorstellungen auf. Dabei treten überraschende Stereotypen zu Tage - zumeist positive, aber auch einige unvorteilhafte. Schriften von früheren Missionaren, europäischen Denkern, Theosophen, Esoterikern, Okkultisten und rechtsorientierten Autoren dienten als Quellen; Spielfilme, Comics, Romane, Werbung und Alltagsprodukte wurden daraufhin untersucht, inwiefern sie unsere westlichen Tibetbilder prägen und widerspiegeln. Das Resultat ist ein Kaleidoskop des absonderlichen Tibets, bei dessen Betrachten unweigerlich die Frage nach den Ursachen aufkommt. Hier werden mögliche Antworten darauf gegeben. Das Buch erreichte im Juli 2000 den dritten Rang der "Top Ten unter den Sachbüchern, präsentiert von: Süddeutsche Zeitung - BuchJournal - Börsenblatt - Norddeutscher Rundfunk". Martin Brauen: Traumwelt Tibet - Westliche Trugbilder.
Gr. 8°. 296 S., 96 s/w und 167 farb. Abb. Pp.
Paul Haupt Verlag, Bern 2000. » bei Amazon.de bestellen |